MAHLZEIT! MAGAZIN 01-2017

Goldene Öl- Rarität

26.01.2017

Der Trend zur Wiederentdeckung alter Ernährungsjuwele hat zum Glück auch das Leindotteröl aus der vergessenheit geholt.

 

Leindotteröl – da klingelt es doch? Oder doch nicht? Bevor der Name dieser noch weitgehend unbekannten Kostbarkeit Verwirrung stiftet: Leindotteröl ist nicht dasselbe wie Leinöl (Leinsamenöl). Beides sind appetitliche, goldgelbe und wertvolle Öle, allerdings stammen sie aus den Samen von botanisch völlig unterschiedlichen Pflanzen. Man muss aber kein Experte sein, um sie zu unterscheiden: Während der Lein, auch Flachs genannt, meist blaue oder weiße Blüten trägt, erstrahlt der Leindotter in leuchtendem Gelb und gehört zur Familie der Kreuzblütler – so wie Raps, Senf oder diverse Kohlarten. Der Leinsamen dagegen ist  eine von rund 200 Arten aus der Familie der Leingewächse. Woher die Namensähnlichkeit kommt, erklärt Diätologin Maria Benedikt: „Das Lein im Leindotter stammt wahrscheinlich daher, dass sich die Pflanze gerne inmitten des Leins angesiedelt hat. Den Dotter steuerte wohl das satte Gelb von Blüte und Öl bei.“ 

 

ALTE KULTURPFLANZE Begibt man sich weiter auf die Spur des Leindotters, fällt schnell auf, dass  er eine uralte Kulturpflanze ist, dessen Samen bereits vor 4000 Jahren bei den Kelten auf dem Speiseplan standen, dann aber in Vergessenheit gerieten. Erst in der jüngeren Vergangenheit stießen Bio-Landwirte wieder auf das Multitalent und erkannten, dass man ihn gegen Unkrautbewuchs auf Gersten-, Erbsen-, Bohnen- sowie Weizenanbauflächen und außerdem für Erbsen und Linsen als Stützpflanze  einsetzen kann. Und von da war es nur noch ein kleiner Schritt, bis auch seine Qualitäten für unsere Ernährung – vor allem als Öl-Spezialität – zutage kamen. GÜNSTIGES FETTSÄURENVERHÄLTNIS Einzigartig am Leindotteröl ist, dass es  über wertvolle Omega-3-Fettsäuren verfügt. Maria Benedikt: „Diese sind sehr wichtig für das Immun- und das Herz-Kreislauf-System im Körper.“ Mit 3:1 außergewöhnlich günstig fällt auch das Verhältnis von guten Omega-3- Fettsäuren zu weniger guten Omega-6- Fettsäuren aus. So kann es helfen, das Zuviel an Omega-6-Fetten, das unsere  Ernährung meist mit sich bringt, auszugleichen. „Beachtlich ist auch der Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren. Mit ihrer Hilfe können wir die Balance von ,gutem‘ und ,gefährlichem‘  Cholesterin im Blut unterstützen“, setzt die Ernährungsexpertin nach. Fettsäuren und Vitamine sind  allerdings nicht hitzebeständig.  Deshalb sollte bei der Verwendung des Bio-Leindotteröls darauf geachtet werden, das Öl nicht über einen langen Zeitraum unnötig hoch zu erhitzen. Denn bei zu hohen Temperaturen werden die wertvollen Inhaltsstoffe zerstört. Es kann aber zum sanften Garen verwendet werden. 

 

IDEAL FÜR DIE KALTE KÜCHE Am optimalsten wird das goldgelbe Öl mit dem leicht pikanten Geschmack und dem feinen Wiesenduft in der kalten Küche eingesetzt. Es eignet sich für die Zubereitung von Salatdressings, Dips, Aufstrichen, Pestos und kalten Saucen. Auch kann das Öl kurz vor dem Servieren über warme Gerichte geträufelt werden. Zum Glück ist das Leindotteröl – für kaltgepresste Verhältnisse – auch relativ lange haltbar – sofern es kühl und dunkel aufbewahrt wird. Das verdankt es seinem Anteil an Vitamin E, das wie ein natürliches Konservierungsmittel wirkt. Aber auch wir profitieren davon, denn Vitamin E ist als Antioxidans bekannt und unterstützt das Immunsystem.