Mahlzeit! Urban Edition 2017

Braukunst

22.06.2017

Das neue Trend-Getränk Craft Beer mischt Österreichs Bierkultur auf. Wir waren bei Craft-Beer-Brauer Reinhold Barta zu Besuch in Salzburg, um mehr über den hippen Gerstensaft zu erfahren.

Es sind oft die einfachen Sätze, die das Leben schöner machen. „Ich liebe dich“ oder „Ein Bier, bitte“. Doch halt! So einfach ist es nun auch wieder nicht. Sowohl auf Grillpartys als auch in Szene- Lokalen, Pubs und guten Restaurants trinken die Gäste nicht mehr nur klassisches Pils-, Märzen- oder Weißbier, um ihren Durst zu stillen. Stattdessen sind aufgeschlossene Genusstrinker auf den Geschmack von charakterstarken Spezialbieren gekommen. Diese passen nicht nur hervorragend zu Grillgerichten (siehe Rezepte ab S. 31), sondern werden gern auch – ähnlich wie erlesene Weine – in Degustationsgläsern als geschmackliche Begleitung zu den einzelnen Menügängen genossen.

HANDWERK, VIELFALT UND INDIVIDUALITAT
Reinhold Barta hat bereits vor zehn Jahren das Brauhaus Gusswerk gegründet und sich auf das Brauen von solchen einzigartigen Kreativbieren spezialisiert. Bei einem Rundgang durch seine Bio-Brauerei in Hof bei Salzburg erzählt uns der Diplom-Biersommelier, der im irischen Cork erste Erfahrungen zu Ales und Stouts sammelte, was es mit dem neuen Hype ums Craft Beer auf sich hat: „Der Trend kommt aus Amerika. Das englische Wort Craft heißt übersetzt Handwerk oder auch handgemacht. Kleine Handwerksbrauereien haben sich zum Ziel gesetzt, besonders aromatische und geschmacklich außergewöhnliche Biere von bester Qualität zu brauen. Sie zeichnen sich durch Experimentierfreude und den spielerischen, kreativen Umgang mit den Bier-Zutaten Malz, Hopfen und Hefe aus.“ Barta weiter: „Die Biervielfalt, die dadurch möglich wird, hat mich fasziniert und inspiriert. Auch ich wollte fundamental gute Biere brauen, die sich von den bekannten Klassikern abheben.“

OSTERREICHS ERSTE BIOUND DEMETER-BRAUEREI
Rund 22 verschiedene Biersorten – u. a. Smooth Stout, Pale Ale, Amber Ale, India Pale Ale oder glutenfreies Biobier – hat Barta, der heuer von Gault Millau zum „Braumeister des Jahres“ gekürt wurde, seither kreiert. Etwa 4.000 Hektoliter verlassen jedes Jahr das Sudhaus. Besonderen Wert legt der Craft-Beer-Brauer auf die Biound die noch strengere Demeter- Zertifizierung seines Brauhauses: „Wir waren die erste und bis vor kurzem auch die einzige Bio-Brauerei Österreichs. Und weltweit gibt es überhaupt nur zwei Demeterzertifizierte Brauhäuser. Mir geht es nicht nur um den besten Geschmack, sondern auch um die Umwelt und um Nachhaltigkeit! Wir müssen schließlich an die Generationen nach uns denken.“ Dazu gehört für den 42-jährigen Niederösterreicher zudem, großteils auf regionale Rohstoffe zu setzen. Das Getreide liefern Biobauern aus dem Burgenland und aus Bayern, der Hopfen stammt aus Tett-nang am Bodensee vom einzigen Demeter-Hopfenbauer der Welt, das Quellwasser kommt aus dem salzburgischen Plainfeld.

DAS KOMPLEXESTE GETRANK DER WELT
Bereits während seiner Studentenzeit als Lebensmitteltechnologe war das Brauen Bartas Hobby, das im Lauf der Zeit zu seiner großen Leidenschaft und schließlich zur Berufung wurde. Bei der Gründung seiner Brauerei erfand Barta einen Leitspruch, dem er bis heute treu geblieben ist: Geschmack ist alles. „Um hervorragendes Spezialbier zu brauen, sind nicht nur besonders hochwertige Rohstoffe notwendig. Das Know-how der Mitarbeiter, eine ausgeklügelte Anlagentechnik, die richtige Lagerung der Biere, die Erfahrung und die Kreativität des Brauers machen die Vielfalt erst möglich“, erzählt Barta. Und weiter: „Bier ist das komplexeste Getränk der Welt. Obwohl in meine Spezialbiere – ebenso wie in die klassischen hellen Biere – nur Malz, Hopfen, Hefe und Wasser kommen, gibt es Millionen verschiedener Geschmacksmöglichkeiten, die sich durch die Kombinationen aus diesen vier Zutaten ergeben.“ Je nachdem, welcher Hopfen, welches Malz und welche Hefestämme verwendet werden, welchen Härtegrad das Wasser hat, wie die Zutaten verarbeitet werden, bei welchen Temperaturen und wie lange die Hefe vergärt wird – alles wirkt sich auf das Aroma, die Farbe und den Alkoholgehalt aus. Barta: „Die fruchtigen Mango-Papaya-, Bananen- oder Zitrusnoten sind auf verschiedene Hopfensorten zurückzuführen, auch manche Hefestämme entwickeln beim Vergären fruchtige Aromen.“ Mit einem Augenzwinkern setzt er nach: „Da wird beim Brauen kein Obst dazugemischt.“ Außerdem, betont der Biobrauer: „Unsere Biere sind vollkommen natürlich. Sie werden auch ohne Schaumhaltbarkeitsmittel, ohne Filterzusätze, ohne lebensverlängernde oder keimtötende Stoffe und ohne Wasseraufbereitung hergestellt.“

BESTE BIO-BRAUEREI EUROPAS
Gewonnen hat „Bieronier“ Barta – er gilt als Wegbereiter der neuen österreichischen Braukultur – so ziemlich alles: Beim renommierten „Concours International de Lyon“ gab es heuer drei Goldmedaillen und vier in Silber – u. a. fürs Austrian Amber Ale und den Edelguss. Beim „Best of Bio Beer 2016“ wurde das Brauhaus Gusswerk zur besten Bio-Brauerei Europas gekürt und räumte gleich fünf Goldmedaillen ab – u. a. fürs Zum Wohl Glutenfrei. Bei den jährlich stattfindenden Staatsmeisterschaften der Österreichischen Brauereien (Austrian Beer Challenge) erringt Barta immer wieder Stockerlplätze und ist damit die höchstdotierte Brauerei seit Einführung dieses Bewerbs. Barta stolz: „Besonders wertvoll sind für mich die Auszeichnungen beim European Beer Star, weil das eine der weltweit renommiertesten Verkostungen ist. Da haben wir uns gegen 40 Länder durchgesetzt und 2013 eine Goldmedaille sowie 2011 und 2014 Bronze gewonnen. Für eine ganz kleine Brauerei wie uns ist das eine absolute Sensation und zeigt, dass wir qualitativ ausgezeichnete Biere machen.“