MAHLZEIT! MAGAZIN 01-2018

SPAR verbannt Glyphosat

01.02.2018

Anlässlich der Zulassung für weitere fünf Jahre in der EU fordert SPAR ein generelles Glyphosatverbot bei der Produktion von Lebensmitteln im In- und Ausland. 

Glyphosat – das ist der Wirkstoff, der 1974 vom Agrochemiekonzern Monsanto in den Pflanzenschutzmittelmarkt eingeführt und unter dem Namen Roundup® bekannt wurde. Es handelt sich dabei um das derzeit meist benutzte Breitbandherbizid der Welt. Das Spritzmittel, das auch als Antibiotikum patentiert ist und daher Bakterien und Mikroorganismen zerstören kann, vernichtet alle Pflanzen, die nicht dagegen mittels Gentechnik resistent gemacht wurden, schädigt unsere Böden und Gewässer und hat einen erheblichen Anteil am Verlust der Artenvielfalt.

SCHÄDLICHER WIRKSTOFF ALS GESUNDHEITSRISIKO FÜR DEN MENSCHEN
Doch Glyphosat ist nicht nur für Flora und Fauna fatal. In Argentinien und Paraguay, wo das Pflanzengift großflächig gesprüht wird, treten bei den Bewohnern der „eingenebelten Dörfer“ Gesundheitsschäden und erhöhte Fehlgeburtsraten auf. Weiters wurde Glyphosat 2015 von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „wahrscheinlich beim Menschen krebserregend“ eingestuft. Diese Einschätzung wird von Hormonspezialist Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber erhärtet: „Auf der Suche nach den Ursachen für die Zunahme an hormonabhängigem Brustkrebs und Prostatakrebs geraten Herbizide wie das Glyphosat immer mehr ins Visier. Der Grund dafür sind künstliche, hormonaktive Stoffe, sogenannte, Endokrine Disruptoren‘, die in diesen Unkrautvernichtungsmitteln vorkommen.“ Deshalb empfiehlt der Hormonspezialist: „Da Glyphosat eine derartige östrogenähnliche Wirkung zeigt, sollte ein Verbot durchgesetzt werden.“ Nicht zuletzt warnt auch ein internationales Forscherteam der University of Florida in einer aktuellen Studie* davor, dass Glyphosat nicht nur das Risiko für Krebs, sondern auch für Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und Autismus erhöhen sowie sogar zu Kreuzresistenzen gegen Antibiotika führen kann. 

SPAR ALS VORREITER FÜR GLYPHOSAT-FREIE LEBENSMITTEL
Trotz dieser massiven Bedenken für Gesundheit, Artenvielfalt und Umwelt wurde das schädliche Unkrautvernichtungsmittel von der EU-Kommission im November 2017 für weitere fünf Jahre in der Europäischen Union zugelassen. „Das ist ein Kniefall vor den internationalen Agrochemiekonzernen, insbesondere vor Monsanto“, zeigt sich SPARVorstandsvorsitzender Dr. Gerhard Drexel empört und setzt sich nun – als Vorreiter in Österreich – für Glyphosatfreie Lebensmittel ein. Als erster Schritt wird Glyphosat aus allen SPAR-Eigenmarken- Produkten aus dem In- und Ausland verbannt. „Denn“, so Dr. Drexel, „wir sehen uns hier in der Rolle des Konsumentenschützers und Hüters der hohen Lebensmittelsicherheit. Die Gesundheit unserer Kunden, der Schutz der Artenvielfalt sowie der gesunden Böden und Landwirtschaftsflächen haben für SPAR Priorität.“ Erreicht werden soll das mit strengen internen Grenzwerten für Lieferanten aus dem In- und Ausland, die regelmäßig überprüft werden. Diese Grenzwerte, die wesentlich strenger als die gesetzlichen Grenzwerte sind, wurden daher im Sommer 2017 schriftlich an alle Lieferanten kommuniziert und deren Einhaltung eingefordert. 

MILCHVERARBEITER UND BAUERN VERZICHTEN AUF GLYPHOSAT
Zwei Mitstreiter von SPAR sind die österreichischen Molkereien Berglandmilch und Kärntnermilch. Beide Milchverarbeiter haben entschieden, ab sofort auf den Einsatz von Glyphosat zu verzichten. So werden alle Milchbauern, die an Berglandmilch bzw. Kärntnermilch liefern, kein Glyphosat mehr auf ihren Wiesen und Ackerflächen einsetzen. „Die Konsumenten sind sehr verunsichert, die Informationslage ist vielschichtig und oft divergierend. Um größtmögliche Klarheit in dieser Situation zu schaffen, war die Entscheidung des Verbotes des Herbizides Glyphosat nur logisch. Dieser Schritt war aus unserer Sicht aber konsequent in unserem Bestreben, heimische, naturnah produzierte Milch und Molkereiprodukte in bester Qualität anzubieten“, unterstreicht Berglandmilch-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Josef Braunshofer. Direktor Helmut Petschar, Geschäftsführer von Kärntnermilch, bläst ins gleiche Horn: „Wir haben den Anspruch, mit unseren Produkten Qualitätsführer zu sein und den Konsumenten Produktsicherheit zu bieten. Deswegen ist es uns wichtig, dass wir beim Thema Glyphosat mit unseren Bauern den Dialog suchen und herausfinden, was nötig ist, damit eine Umstellung auf Glyphosat-frei funktionieren kann. Wichtig ist aber, dass die Qualitätsbemühungen, durch die wir uns deutlich vom benachbarten Ausland abheben, einen Mehraufwand für unsere Bauern bedeuten. Diese müssen zukünftig auch entsprechend abgegolten werden.“ Doch auch eine Reihe von konventionellen Obst- und Gemüsebauern, die SPAR beliefern – wie beispielsweise die Familie Winfried Markut aus Kärnten, die für SPAR Kartoffeln und Zwiebeln anbaut – haben sich freiwillig dazu entschlossen, kein Glyphosat mehr einzusetzen. 

ÖSTERREICH UND EUROPA MÜSSEN GLYPHOSAT-FREI WERDEN
Damit sind die ersten Schritte in eine Glyphosat-freie Zukunft gesetzt. Doch viele weitere sind nötig, um Glyphosat mitsamt seinen schädigenden Folgen vollständig aus Europa zu entfernen. Dr. Gerhard Drexel fordert daher die Regierung sowie den Nationalrat zum Handeln auf: „Ich appelliere an die gewählten Vertreter dieser Republik, ein Verbot für Glyphosat in Österreich auszusprechen und sich für das Aus in Europa einzusetzen.“ Aber es geht nicht nur um das Glyphosat. Endokrinologe Prof. Dr. med. Markus M. Metka: „Immer mehr Wissenschaftler und Ärzte plädieren für eine Agrarwende weg von der Chemie hin zu einer nachhaltigen, für Mensch und Umwelt verträglicheren Landwirtschaft.“ „Denn“, so der Mediziner weiter, „nur ein gesunder Boden – möglichst natürlich behandelt, sanft gepflügt und voller Regenwürmer – entwickelt gesunde Pflanzen. Und aus gesunden Pflanzen werden gesunde Lebensmittel. Und mit gesunden Lebensmitteln kann am Ende der gesunde Mensch stehen.“ Zur Orientierung sollten wir nach Frankreich blicken, empfiehlt der Arzt. Das Land ist beispielgebend für sein Selbstverständnis von guter und bewusster Ernährung – weshalb auch die Franzosen die EU-Entscheidung bereits hinterfragen und über ein Glyphosat-Verbot diskutieren. Denn – so wie in Frankreich – wäre ein Glyphosat- freies Österreich eine großartige Chance, die einzigartige Qualität unserer Lebensmittel auf Dauer zu sichern.