MAHLZEIT! MAGAZIN 01-2017

Der Apfel aus dem Garten Eden

26.01.2017

Jahrtausendelang faszinierte der „Paradiesapfel“ Dichter, Maler, Bildhauer, Götter und Liebende. die kleinen, rubinroten Perlen haben auch für unser Wohlbefinden Einiges zu bieten.

 

Haben Sie schon einmal nachgezählt, wie viele Kerne ein Granatapfel hat? 613 heißt es im Alten Testament. Genauso viele, wie die Heilige Schrift Gesetze enthält. Das mag stimmen, oder auch nicht, fix ist aber ganz bestimmt: Es sind sehr viele. Genau deshalb gilt dieses exotische Obst seit jeher und bei allen antiken Völkern als Symbol für Fülle und Fruchtbarkeit, Liebe und Leben. Wobei dieses „seit jeher“ im Falle des Granatapfels nicht nur so dahingesagt ist. Schließlich soll der „Paradiesapfel“ bereits im Garten Eden am Baum des Lebens gehangen sein, um Adam und Eva ewiges Leben zu schenken. Abseits der Bibel lässt sich die Geschichte des Granatapfelbaums rund 5000 Jahre bis nach Mesopotamien zurückverfolgen. Damit ist er eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit – aber auch als Kultpflanze legendär und sagenumwoben: Er findet sich auf antiken Bildern und Gefäßen, diente im alten Ägypten als Grabbeigabe und der Tempel der Juden, den König Salomon errichten ließ, war geschmückt mit mehr als 400 in Stein gemeißelten Granatäpfeln.

 

Buddhas Granatapfeltrick

Buddha soll es gelungen sein, der einst kinderfressenden Dämonin Hariti Granatapfelperlen schmackhaft zu machen, um die Menschen zu verschonen. Deshalb gilt der Granatapfel bei den Buddhisten als eine von drei heiligen Früchten. In der griechischen Mythologie liegt der Fall etwas komplizierter: Dort hatte Hades, der Gott der Unterwelt, Persephone entführt. Deren Mutter, die Fruchtbarkeitsgöttin Demeter, intervenierte ganz oben – beim Göttervater Zeus persönlich. Dieser befahl Hades daraufhin, das Mädchen freizugeben, wenn es in der Unterwelt nichts gegessen hatte. Ein paar Granatapfelkerne wurden Persephone zum Verhängnis. Seitdem darf sie nur drei Viertel des Jahres auf der Erde verbringen. Den Winter muss sie in der Totenwelt überdauern.

 

Everybody's Darling

Obwohl in unseren Breiten nicht heimisch, hat sich der Granatapfel auch hier zur Berühmtheit gemausert – etwa als Symbol der Kirche. Im Mittelalter bürgerte sich sogar die Bezeichnung Granat für eine Gruppe roter Edelsteine ein, die bisher Karfunkel genannt wurde und deren Kristalle Granatapfelkernen ähneln. Ungewiss ist, ob der Name sich vom lateinischen granum (Korn) ableitet oder vom lateinischen granatum (Granatapfel). Bedeutend war das begehrte Weiderichgewächs in früheren Zeiten aber auch als Färberpflanze. Die Fruchtschale verlieh Wolle je nach Intensität Farbtöne von Gelb bis Schwarz. Für tief dunkelblaue Farben verwendete man in Nordindien einen Extrakt aus der Wurzel des Granatapfelbaumes kombiniert mit einer Eisenbeize. Außerdem ließ sich die Frucht zu einer pechschwarzen Tinte verkochen. In Japan heißt der Granatapfel Kishimojin und gilt nach wie vor als Hoffnungsträger für ungewollt kinderlose Frauen. Heute weiß man: Wenn es um unser Wohlbefinden geht, ist der Granatapfel ein echtes Multitalent.

 

Wertvoller Saft

Der Granatapfel gehört zu den wenigen Früchten, deren Saft genauso wertvoll ist wie die Frucht selbst. Den Großteil der kostbaren Antioxidantien enthalten nämlich die vielen saftigen Fruchtperlen. Diese werden mit moderner Technik sanft aus der Schale geschleudert, ausgesiebt und dann erst gepresst. Bemerkbar macht sich deren zellschützende Wirkung vielleicht sogar beim Blick in den Spiegel. Denn der Saft paradiesischer Äpfel unterstützt die Hautzellen bei ihrer Regeneration, etwa nach langen Sonnenaufenthalten, unabhängig vom Hauttyp. Gut zur Haut – gut zum Haar, das gilt auch für den Granatapfelsaft. Er kann helfen, die Follikel zu stärken und so Haarausfall vorzubeugen. Noch eine gute Nachricht – nicht nur für Diabetiker: Anders als viele andere Fruchtsäfte hält ein Gläschen Granatapfelsaft laut Studien den Blutzuckerspiegel stabil. Viele Fans sind überzeugt davon, dass der tägliche, rubinrote Trank ihre Abwehrkräfte stärkt. Zwar kann er mit Vitamin C nicht besonders hoch punkten, dafür aber mit seinem Eisengehalt. Tipp: Eigentlich schmeckt Granatapfelsaft fruchtig-herb und richtig erfrischend. Ist er für Ihren Geschmack eine Spur zu herb, dann kombinieren Sie das rubinrote Elixier einfach mit ein paar Spritzern Zitronensaft und etwas Ingwer zu einer schmackhaften Köstlichkeit..