5 Fragen an das Vanillekipferl

03.11.2014

1) Wann wurdest du geboren?
Meine Geburt liegt rund 100 Jahre zurück. Die noch heute berühmte Grazer Köchin Katharina Prato hat mich erstmals Ende des 19. Jahrhunderts in ihrem Standardwerk „Die Süddeutsche Küche“ erwähnt. Auch Baronin Marie von Rokitansky hat in ihrem historischen Kochbuch „Die österreichische Küche“ 1897 schriftlich Zeugnis von mir abgegeben.

2) Woher kommt dein Name?
Er setzt sich aus meiner wichtigsten Zutat, der Vanille, und meiner Form zusammen. Meine Ahnen, die „größeren“ Kipferl aus Mürb-, Plunder- oder Germteig, wurden bereits 1227 als Ciphen erwähnt – benannt nach der gebogenen Form der Stemmleisten des Bauernwagens. Das sind die langen hölzernen, Haltestangen, auch Rungen genannt, die an den Seiten des Wagens paarweise links und rechts nach oben zeigend eingesteckt wurden oder fest verbunden waren, um die Ladung gegen ein seitliches Herunterrutschen abzusichern. Diese Wagenrungen hießen mittelhochdeutsch „kipfe“ und althochdeutsch „kipfo“.

3) Wodurch wurdest du so beliebt?
Meine Popularität verdanke ich den deutschen Chemikern Wilhelm Haarmann und Ferdinand Tiemann. 1874 entdeckten die beiden Forscher das „Vanillin“, einen synthetischen Ersatz für die teure Vanille, und stellten es fabriksmäßig her. Damit wurde meine wichtigste Zutat für alle leistbar und der Grundstein für meine weitere Verbreitung war gelegt. Mit der Industrialisierung wurde ich schließlich zum Massenprodukt.

4) Wie wurdest du zu Weihnachtsgebäck?
Das christliche Weihnachtsfest hat mich von der heidnischen Tradition des Keksebackens „adoptiert“. Die christlichen Missionare haben diese vorchristlichen Opfergaben an die Götter toleriert, solange sie in den Dienst des Weihnachtsfestes gestellt wurden. Für das Backwerk zu Ehren Christi Geburt wurden in den mittelalterlichen Klöstern gerne die teuren, exotischen Gewürze aus dem Orient verwendet, darunter auch die Vanille. Dadurch wurde ich Bestandteil der Weihnachtskeks-Auswahl.

5) Woraus wirst du gemacht?
Daran scheiden sich die Geister. So ist etwa der Ei-Einsatz strittig. Während die einen auf das Ei als Stabilisator verzichten, damit ich im Mund regelrecht zerfalle, bevorzugen die anderen die Geschmeidigkeit und Bruchfestigkeit und verwenden Eier. Auch die Wahl der Nüsse – ob Mandeln, Hasel- oder Walnüsse oder sogar Tonkabohnen – hängt davon ab, ob man mich lieber süßlich, bitt er oder herb mag. Einzig die Verwendung von Butt er und echter Vanille statt Vanillearoma steht fest.