Fit im Winter mit der Fünf-Elemente-Ernährung

29.10.2013

Ernährungsexperte Markus Metka erläutert, wie sich diese uralte chinesische Weisheitslehre auf unser Leben und unsere Lebensmittel übertragen lässt.

Eisiger Wind, Minustemperaturen und in die Knochen kriechende Feuchtigkeit: Zum Ausgleich von klimatischen Einflüssen hat die Ernährung besonders im Winter eine vorbeugende und die Gesundheit erhaltende Funktion. Sicher haben Sie schon einmal bemerkt, dass Ihnen nach dem Genuss von Hühner-Curry, einem Glas Rotwein oder einem Hirsch-Ragout recht warm wurde. Es gibt also Lebensmittel wie etwa unsere traditionellen Wintergemüse Lauch, Fisolen, Kohl, aber auch Walnüsse und getrocknete Datteln, die unseren Körper von innen „erwärmen“ (eine TCM-Lebensmittelliste finden Sie hier).


KOCHKUNST AUS DEM REICH DER MITTE

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) bedient sich – anders als bei uns im Westen – eines ganzheitlichen Ernährungssystems, um den Organismus zu stärken, das Wohlbefinden zu fördern und die Gesundheit des Menschen zu erhalten. Markus Metka, Präsident der Österreichischen Anti-Aging-Gesellschaft , erklärt: „In der mehr als 3.000 Jahre alten fernöstlichen Fünf-Elemente-Ernährung werden die Lebensmittel nicht nach Vitamin- und Spurenelementgehalt, Kohlenhydrat- und Fettanteil beurteilt, sondern nach ihren Wärmewirkungen, ihrer Dynamik, Farbe, Geschmacksrichtung und Zugehörigkeit zu den fünf Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Ziel ist es, den Körper durch eine ausgewogene und vollwertige Zusammensetzung der Lebensmittel mit lebenswichtiger Energie – dem chinesischen Qi – zu versorgen und für ein Gleichgewicht zwischen Yin, dem Körper, und Yang, dem Geist, zu sorgen.“

FOKUS AUF REGIONALE UND SAISONALE LEBENSMITTEL
Wie bei uns ist auch in China Nahrung besonders wertvoll und bekömmlich, wenn sie biologisch angebaut wird und im Einklang mit der Natur, der Region und der Saison steht. Denn es wirkt sich auf das Qi aus, ob ein Lebensmitt el natürlich gewachsen ist oder künstlich, ob in der Erde oder ohne Erde, ob mit oder ohne Sonne. Der Körper verfügt nach TCM über ein „Vorfahren-Qi“, das entscheidet, ob etwas, das wir zu uns nehmen, in unser System passt und integriert werden kann. Wenn die Nahrung aufgrund von Zusatzstoff en, Pestizidrückständen, gentechnischer Veränderung und neuen Züchtungen nicht identifi ziert und mithilfe von Enzymen in körpereigene Substanzen umgewandelt werden kann, ist sie ein Abfallstoff , der den Organismus belastet. Viele Lebensmitt el-Unverträglichkeiten und Allergien werden aus der Sicht der TCM mit diesem Konzept in Verbindung gebracht.


BALANCE DER KÖRPERENERGIE
Da alle Lebensmittel nach TCM eine thermische Wirkung haben – sie werden in heiß, warm, neutral, kühl und kalt eingeteilt –, sollte man sich auch den klimatischen Verhältnissen der jeweils aktuellen Jahreszeit entsprechend ernähren. Als grobe Richtlinie kann man sagen: Lebensmittel, die im Warmen wachsen, wirken kühlend, Lebensmittel, die sich in kalten Regionen wohlfühlen, wirken wärmend. Im Winter sollte man daher zu warmen, im Sommer zu erfrischenden Lebensmitteln greifen. Metka: „Wassermelonen beispielsweise gedeihen in heiß-trockenem Klima, wirken kühlend und verschaff en dem Körper bei extremer Hitze den nötigen Ausgleich. Diese Eigenschaft macht sie zu einer idealen Sommerfrucht, im Winter sollte man sie nur mäßig verwenden.“ Der Hauptteil der Nahrung sollte aus neutralen Lebensmitteln wie Karotten, Hülsenfrüchten, allen Kohlsorten, Kartoffeln, Nüssen, Rindfleisch, Eiern und Milch bestehen – sie bauen das Qi auf und wirken ausgleichend auf alle Organe. Die Mahlzeiten sollten möglichst alle fünf Geschmacksrichtungen – süß, sauer, salzig, bitt er und scharf – sowie alle fünf Farben – Grün, Rot, Gelb, Weiß und Blau/Schwarz entsprechend den fünf Elementen – enthalten. Dieses harmonische Miteinander der Geschmäcker verspricht nicht nur kulinarischen und optischen Genuss, sondern ist auch vitale Notwendigkeit für die Balance unserer Körperenergie.


WÄRMENDE WINTERGERICHTE

Laut TCM wäre es ratsam, in der kalten Jahreszeit die Winterkost, die vom Yin, also der Kälte, dominiert wird, zu „yangisieren“. „Yangisieren“ bedeutet, Feuerenergie zuführen, also lange kochen, braten, dünsten. Das spart auch körpereigenes Qi, denn die Verdauung wird entlastet. Der Winter ist deshalb genau die richtige Zeit für süße Hirseaufläufe und Polenta als Beilage zu Fleischgerichten sowie wunderbare Suppen wie etwa eine von innen wärmende chinesische Hühnersuppe mit Ingwer. Metka: „Bereits Konfuzius sagte vor 2.400 Jahren: Wenn du Fleisch isst, dann bevorzuge Tiere mit zwei oder keinen Beinen.“ Ein Blick in alte westliche Kochbücher zeigt, dass aber auch unsere Großmütter um die stärkende und wärmende Wirkung einer Hühnersuppe, Zwiebelsuppe, von Lauchgerichten, aber auch von Linsen mit Speck oder Bohnensterz mit Rahmsuppe wussten. Gefrühstückt wurde Polenta, Grießbrei oder die Suppe vom Vorabend, da damit der Körper auf Touren gebracht werden konnte. Metka: „Nichts anderes wird in der Fünf-Elemente-Ernährung angewandt. Nährendes wird verabreicht, wenn der Körper Kraft braucht, um zu wachsen. Kühlendes, wenn der Organismus Entlastung von der Sommerhitze benötigt, und Wärmendes, wenn der Winterwind kalt um die Ohren pfeift . Nicht vergessen, es darf ordentlich gewürzt und damit eingeheizt werden im Winter.“