MAHLZEIT! MAGAZIN 05-2016

Innovatives Projekt mit Weitblick

05.09.2016

DIE FRUTURA THERMAL-GEMÜSEWELT IN BAD BLUMAU BAUT EXKLUSIV FÜR SPAR BIO-TOMATEN UND BIO-PAPRIKA MIT DER SAUBEREN ENERGIE AUS NATÜRLICHER GEOTHERMIE AN.

 

Die Sonne strahlt angenehm warm vom blauen Himmel, die hügelige Landschaft besticht durch ein sattes Grün. Mitten in dieser durch das pannonische Klima und die heißen Thermalvorkommen begünstigten Region Blumau im oststeirischen Thermenland stehen die neuen, innovativen Bio-Gewächshäuser der Frutura Thermal-Gemüsewelt. Sie werden den Gemüseanbau in Österreich revolutionieren. Denn, so Frutura-Mastermind Manfred Hohensinner: „Bei diesem ökologischen Vorzeigeprojekt wird erstmals in Österreich nachhaltige Thermalenergie für den Gemüseanbau genutzt.“ Der Experte erklärt das Besondere daran: „Auf derzeit 4,3 Hektar Fläche werden rund 220.000 Pflanzen gänzlich ohne den Verbrauch von fossilen Brennstoffen angebaut. Denn die Beheizung der Glashäuser erfolgt mittels Geothermie.“ Stolzer Nachsatz: „Damit sparen wir im Endausbau im Vergleich zu Gewächshäusern, die mit Erdgas beheizt werden, rund 28.000 Tonnen CO2 pro Jahr und 12 Mio. m3 Erdgas ein. Das macht die österreichweit einzigartige Thermal-Gemüsewelt zu einer echten Vorzeige-Initiative im Sinne des Klimaschutzes.“

 

Umweltschonende Technologie

Bei der Geothermie wird die natürliche Ressource „heißes Wasser“, die in der Südoststeiermark reichlich vorhanden ist, genutzt. Hohensinner erklärt: „Die Geothermie gilt heute als eine der ökologisch nachhaltigsten Energieformen im Bereich der Gewächshausheizung. Denn es werden keine Ressourcen verbraucht.“ Das Prinzip folgt einem einfachen Kreislauf: Eine eigene Bohrung fördert das bis zu 125° C heiße Wasser aus 3.450 m Tiefe schonend an die Oberfläche. Dort erwärmt es über ein Wärmetauschsystem das im Wasserspeicher gelagerte Heizungswasser, das mit unterirdischen Rohrleitungen in die Glashäuser führt. Nach der Nutzung wird das abgekühlte Thermalwasser über eine zweite Bohrung wieder ins Erdinnere zurückgeführt, sodass kein Tropfen Thermalwasser verloren geht. „Ohne Beheizung der Glashäuser würden die ersten Bio-Tomaten Anfang Juli reifen, Mitte September wäre es vorbei mit der Ernte. Um die Nachfrage nach österreichischem Gemüse das ganze Jahr bedienen zu können, muss auch davor und danach produziert werden.“ Und, meint der Visionär weiter: „Entweder
wir importieren das Bio-Fruchtgemüse aus wärmeren Ländern, oder wir bauen sie in heimischen beheizten Glashäusern an. Das wiederum reduziert den Fruchtgemüse-Import und spart unnötige Lkw-Transportwege.“

 

Bio-Anbau auf Humuserde

Angebaut werden die Bio-Cherrytomaten, Bio-Rispentomaten, San Marzano Bio-Tomaten und Ramiro Bio-Paprika auf besten Humusböden, welche im Rahmen des Humus-Projektes mit SPAR aufgebaut wurden. Um den Boden bestmöglich zu schonen, wird
eine jährlich wechselnde Fruchtfolge eingehalten – zuerst Tomaten, dann Paprika und im dritten Jahr folgen Gurken.
Modernste Technik für Belüftung, Beleuchtung, Beschattung und Kühlung unterstützen die ressourcenschonende Produktion, bewässert wird größtenteils mit Regenwasser, das in einem großen Becken gesammelt wird. Dank der Beheizung der Gewächshäuser mittels geothermischer Wärme entstehen für die Pflanzen auch besonders günstige klimatische Bedingungen. Denn, erklärt Jos Houwen, international gefragter Spezialist für Gemüseanbau und Produktionsleiter des Gewächshauses: „Da wir keine teuren fossilen Energieträger verwenden, brauchen wir beim Beheizen der Gewächshäuser nicht zu sparen. Wir können die Temperatur durchgehend relativ gleich halten und der Feuchtigkeitsbildung vorbeugen. Das sorgt für einen natürlichen Pflanzenschutz gegen Pilze.“ Die Bestäubung übernehmen rund 2.500 Hummeln, die Schädlingsbekämpfung erfolgt durch Nützlinge. Houwen: „Das ist das Beste, was im Rahmen des natürlichen Pflanzenschutzes möglich ist. Durch diese Maßnahmen ist das Bio-Gemüse rückstandsfrei.“

 

Zukunftsvision

Bis 2019 sollen zu den Bio-Gewächshäusern noch etwa 19 Hektar Glashäuser für die konventionelle Fruchtgemüseproduktion dazukommen, das schafft Arbeitsplätze für rund 200 Menschen aus der Region. Frutura-Marketingleiter Franz Kneißl erklärt: „Nach Tomaten und Paprika pflanzen wir auch noch Gurken an. Angestrebt wird dann eine Jahresmenge von 1.200 Tonnen Bio- und 10.000 Tonnen konventionellem Gemüse, das wir exklusiv an SPAR liefern.“ Und, setzt der Steirer nach: „Als letzte Ausbaustufe ist eine Gemüseschauwelt vorgesehen. Sie soll 2019/20 errichtet werden und ist als touristische Attraktion des Thermenlandes gedacht.“

 

DAS SAGT DER EXPERTE
Frutura-Eigentümer Manfred Hohensinner über die Thermal-Gemüsewelt
 

SPAR Mahlzeit!: Wie sind Sie auf die Idee für dieses Projekt gekommen?
Manfred Hohensinner: Als Landwirt und Lkw-Fahrer habe ich erlebt, wie viel Gemüse importiert wird. Vor 16 Jahren habe ich mir gedacht, das können wir doch auch bei uns produzieren, wenn wir uns das heiße Thermalwasser zunutze machen und dadurch weite Transportwege und hohe CO2-Ausstöße sparen. 2011 schließlich, als SPAR uns eine langfristige Abnahmegarantie gegeben hat, haben wir begonnen, es umzusetzen.

SPAR Mahlzeit!: Was zeichnet die Thermal-Gemüsewelt aus?
Manfred Hohensinner: Es gibt keinen saubereren Energieträger als die Geothermie: Mutter Erde wärmt das Wasser auf, es wird heraufgepumpt, wir entziehen nur die Wärme und bringen es wieder in den Untergrund zurück, wo es wieder von Mutter Erde aufgewärmt wird. Wir verbrauchen dabei keine Ressourcen. Wir sind unabhängig von fossilen Energieträgern, die in Österreich fast zu 100 Prozent importiert werden müssen. Das macht uns unabhängig von der politischen Lage in diesen Ländern, unabhängig von den Energiepreisen und damit unabhängig von der zukünftigen Entwicklung der fossilen Energieträger.

SPAR Mahlzeit!: Welche Vorteile hat die Region davon?
Manfred Hohensinner: Wir haben den Safenbach auf einer Länge von 1,2 km renaturiert und das seit Jahrzehnten verloren gegangene ökologische System wiederhergestellt. Außerdem schaffen wir rund 200 Arbeitsplätze und die Gemüseschauwelt wird sicher eine Touristenattraktion.