Lass Nahrung deine Medizin sein!

07.09.2015

Hochkarätige Vortragende ließen beim Public-Health-Symposium in Lech in Vorarlberg mit neuen Wissenschaftlichen Erkenntnissen aufhorchen. SPAR Mahlzeit! präsentiert die zehn Top-Themen.

Das malerische Alpendorf Lech am Arlberg wurde vom 9. bis 12. Juli zum Treff punkt nationaler und internationaler Gäste aus den Bereichen Medizin und Ernährung. Denn: Mit Unterstützung von SPAR als Hauptsponsor fand das „MEDICINICUM Lech“ unter der Leitung von Anti-Aging- Experte Markus Metka und Hormonspezialist Johannes Huber statt . Dass der Bergsommer in Lech hinsichtlich Zeit und Raum das optimale Umfeld für eine derartige Veranstaltung bietet, unterstrich Bürgermeister Ludwig Muxel bei seiner Eröffnungsrede mit dem Hinweis auf vor Ort durchgeführte wissenschaftliche Studien, wonach ein Aufenthalt in Lech nachweislich gesundheitsfördernd ist. So war dann auch das Thema des hochklassigen Public-Health-Symposiums, das mehr als 600 Interessierte anlockte, wie maßgeschneidert für die Location: Ernährung als Schlüssel für ein gesünderes und längeres Leben. NEUESTE ERKENNTNISSE „Eure Nahrung sei eure Medizin und eure Medizin eure Nahrung“ – bereits vor rund 2400 Jahren erkannte Hippokrates den klaren Zusammenhang zwischen Gesundheit und Ernährung. Diese antike medizinische Einsicht als Basis für ein gesundes Leben hat gerade am Beginn des dritt en Jahrtausends an besonderer Aktualität gewonnen: Weltweit wird eine alarmierende Zunahme von Zivilisationserkrankungen wie Diabetes, Adipositas und Krebs beobachtet. Welche entscheidende Rolle spielt dabei die Ernährung? Wie können wir gegensteuern? Und welche zum Teil fatalen Wechselwirkungen bestehen zwischen Konsument, Handel, Lebensmittelindustrie und Gesundheitspolitik? Hochkarätige Vortragende beleuchteten das Thema von verschiedensten Seiten und präsentierten die neuesten wissenschaftlichen Studien und Erkenntnisse. Wir haben die zehn Top-Themen für Sie zusammengefasst.

1) TTIP gefährdet unsere Gesundheit
Im ersten Impulsvortrag zeigte SPAR Vorstandsvorsitzender Dr. Gerhard Drexel auf, welche verheerenden Auswirkungen das geplante Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen der EU und den USA auf unsere Lebensmittel und Ernährung haben würde. Unterstützt wurde er dabei von der Plattform zur Rettung der österreichischen Lebensmittelkultur, die er gemeinsam mit Ärzten, Partnern und unabhängigen Experten ins Leben gerufen hat. Drexel: „Sollte TTIP kommen, dann würde Gentech-Nahrung durch die Hintertür bei uns Einzug halten, Hormonfleisch und Fleisch aus Intensiv-Antibiotika- Einsatz den europäischen Markt fluten, und eine Zucker-Lawine würde mit billigem Fruktose-Mais Sirup unsere Gesundheit gefährden.“ Diese „Schundnahrungsmittel“, wie Drexel sie treffsicher bezeichnete, wären ein irreversibler massiver Angriff nicht nur auf unsere hohen Lebensmittelstandards und unsere nachhaltige Landwirtschaft , sondern vor allem auf unsere Gesundheit. In der anschließenden Diskussion untermauerten Hormonspezialist Johannes Huber, Anti-Aging-Experte Markus Metka, Bio-Landwirt Erich Stekovics und Leonore Gewessler, Geschäftsführerin von GLOBAL 2000, diese These. Metka fasste zusammen: „Diese Nahrungsmittel führen, wie man in den USA bereits jetzt sieht, auch in Europa zu einem Anstieg von ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Diabetes, Alzheimer, Herz- Kreislauf-Erkrankungen, Fettleber und Krebs.“ Und der deutsche Buchautor und Investigativ-Journalist Hans-Ulrich Grimm stellte fest: „Es ist ganz wichtig, bemerkenswert und vorbildlich, dass Handelsketten wie SPAR hier mitmachen, gegen die Politik und gegen TTIP aufstehen und sagen, was das für Folgen für die Bevölkerung haben kann.“

2) Wachstumshormone im Fleisch machen krank
Hormonspezialist Johannes Huber erklärte, weshalb vor allem Hormonfleisch so gefährlich für den Menschen würde: „Die Hormonchips, die Kälbern eingepflanzt werden, damit sie schneller wachsen, enthalten Somatotropin. Dieses Wachstumshormon bewirkt, dass in der Leber der Tiere insulinähnliche Substanzen freigesetzt werden, die sich in den Muskeln der Tiere verankern. Und genau diese insulinähnliche Substanz essen dann die Menschen. Das ist mehr oder weniger eine Hormontherapie, die man mit der Nahrung zu sich nimmt.“ Huber wurde sogar noch deutlicher: „Das könnte das Krebsrisiko steigern, denn diese Wachstumshormone können dazu führen, dass sich die Zellen im menschlichen Körper zu schnell und möglicherweise später auch unkontrolliert teilen.“ Auch Metka fand besonders drastische Worte: „Die Bevölkerung wird im Prinzip vergiftet. Deshalb verpflichtet uns Ärzte der Hippokratische Eid geradezu dazu, das US-Freihandelsabkommen TTIP zu verhindern.“

3) Bedrohliche Substanzen: Antibiotika, Pestizide und Weichmacher
Negative Auswirkungen haben auch hormonähnliche Substanzen wie Antibiotika, Pestizide und Weichmacher in Plastik, Lebensmitteln und Kosmetika. So sind heute 1349 chemische Substanzen in der EU verboten, in den USA aber nur elf. Kommt TTIP, würden die derzeit bei uns nicht erlaubten hormonähnlichen Substanzen plötzlich erlaubt. Huber: „Diese sogenannten ,Endocrine Disruptors‘, wie sie in der Fachsprache genannt werden, und mit denen rund 40 Prozent der amerikanischen Nahrungsmittel in Berührung kommen, stören den Hormonhaushalt massiv und greifen in den Stoffwechsel ein. Das hat nachgewiesenermaßen negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit bei jungen Frauen und senkt die Spermaqualität bei jungen Männern. Meiner Meinung nach ist das ein stichhaltiges Argument, dass man sich dagegen zur Wehr setzen muss.“ Leonore Gewessler ergänzte: „Die WHO bezeichnet hormonell wirksame Chemikalien, und somit einige Pestizide, als die nächste globale Bedrohung.“

4) Die industrielle Landwirtschaft: Masse statt Qualität
Eine massive Bedrohung für unsere Gesundheit sah Spiegel-Autor Hans-Ulrich Grimm in der „industriellen Parallelwelt“, die nicht erst aus Übersee auf uns zukommt, sondern bereits in der EU vorhanden ist – wie Grimm in seinem Fachvortrag „Die Suppe lügt“ am Beispiel der Massentierhaltung erläuterte: „Massentierhaltung ist nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland weit verbreitet. Und da wird verschleiert und getäuscht: So heißt das, was früher in Ostdeutschland, Kombinat Industrielle Mast‘ hieß, heute ganz harmlos, Wiesenhof‘. Aber dabei handelt es sich um den größten deutschen Geflügelkonzern.“ Leonore Gewessler setzte nach: „Das Schlimme am viel zitierten amerikanischen Chlorhuhn ist nicht nur das Desinfizieren mit Chlor, sondern die Zustände in den Mastbetrieben, die es notwendig machen, dass die Hühner überhaupt mit Chlor desinfiziert werden müssen.  Aber genau das importieren wir uns mit TTIP auch nach Österreich.“ Bio-Landwirt Erich Stekovics hatte ein weiteres eindrucksvolles Beispiel aus der Gemüse-Landwirtschaft parat: „Meine Tomaten tragen etwa 2 kg pro Pflanze. Das sind alte Sorten mit wenig Ertrag, dafür haben sie einen intensiven Geschmack und wertvolle Inhaltsstoffe. Hybrid-Sorten tragen etwa 18 kg; in Holland tragen Tomaten-Züchtungen bereits 150 kg pro Pflanze. Das bedeutet,
dass diese Früchte nur mehr einen kleinen Bruchteil an Geschmack und Nährstoff en haben.“ Gewessler ergänzte: „Genau deshalb, weil eben gerade in der Landwirtschaft so viel auf dem Spiel steht, ist das geplante Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und den USA gescheitert.“

Und weiter: „Kommt aber TTIP, wird statt der Regulierung im öffentlichen Interesse bzw. im
Gesundheitsinteresse alles dem Handels- und Profitinteresse der Mega-Konzerne untergeordnet. Das
führt dann auch bei uns zu einer noch stärker industrialisierten Landwirtschaft mit all ihren
problematischen Folgen.“

5) Übergewicht und Adipositas breiten sich weiter aus
Weiters waren sich die Experten des Kongresses einig, dass sich Übergewicht in unserer Gesellschaft weiter ausbreiten wird. Spiegel-Journalist Grimm machte dafür in erster Linie die industrielle Parallelwelt der Nahrungsmittel verantwortlich. Er unterschied zwischen echten Lebensmitteln wie Kartoffeln und Karotten, Bananen und Hühnern, und der industriellen Parallelwelt, in der es Schokolade, Packerlsuppen und Fertiggerichte gibt. Grimm: „Geschmack kommt in der industriellen Parallelwelt nicht von den Zutaten, sondern wird als Aroma zugesetzt. Und genau diese künstlichen Aromen sind es, die zu Übergewicht führen.“ Er erklärte es so: „Der Geschmack ist ganz wesentlich im Nahrungsmittel, weil er Auskunft über die Inhaltsstoff e der Nahrung gibt. Wird dieser von Aromen manipuliert, wird der Körper betrogen und die Nährstoff e fehlen. Die Folge: Wir essen so lange weiter, bis wir dem Körper die nötigen Nährstoff e zugeführt haben.“ Und ergänzte: „Aus diesem Grund hat die Aromaindustrie schon vor Jahren eingeräumt, dass Aromaverzehr zu Übergewicht führt.“ Hormonspezialist Johannes Huber führte den Gedanken in seinem Vortrag „Isst sich die Menschheit zu Tode“, den er auf einen jüngst erschienenen Artikel im renommierten Fachmagazin „Lancet“ stützte, noch einen Schritt weiter. Huber: „Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs ist hochsignifikant. Nach dem Alter ist Übergewicht der größte Risikofaktor für Krebs.“

6) Übermäßiger Zuckerkonsum macht abhängig
Wir alle wissen, dass zu viel Zucker ungesund ist und dick macht. Er dockt im Gehirn im Belohnungszentrum an, und zwar an den gleichen Stellen wie Kokain. Grimm: „Es bereitet dem Körper Lust, Süßes zu essen. Deshalb kann Zucker auch als Rauschgift bezeichnet werden.“ Doch Zucker ist auch ein Geschmacksverstärker. Diese Kombination macht ihn besonders gefährlich – vor allem deshalb, weil er, wie Grimm erläuterte, in vielen Nahrungsmitteln der industriellen Parallelwelt „versteckt“ ist: Ob in Packerlsuppen, Ketchup oder Fertiggerichten – sie alle setzen auf diese beiden wesentlichen Eigenschaft en des Zuckers. Grimm: „Wir essen 36 kg Zucker pro Jahr, nur 17 Prozent direkt, 83 Prozent versteckt. Die Folge: Ärzte führen Alzheimer, Herzinfarkte, Diabetes und Krebs mitunter auf zu viel Zuckerkonsum zurück. Nicht umsonst wird Alzheimer bereits als Diabetes Typ 3 bezeichnet.“

7) Fruktose-Sirup deaktiviert das Sättigungsgefühl

Vor dem Fruchtzucker wird ebenfalls gewarnt, wie Anti-Aging-Experte Markus Metka in seinem Vortrag warnte: „Fruktose steht für Fruchtzucker. Fruktose ist natürlicherweise in Obst und Gemüse enthalten und in dieser Form nicht schädlich. Doch gibt es noch eine ganz andere Fruktose: Die isolierte und hochkonzentrierte industriell hergestellte Fruktose. Sie findet in vielen Fertigprodukten Verwendung und ist ausgesprochen gesundheitsgefährdend.“ Denn, erläuterte der Experte weiter: „Ist der Mensch satt , schüttet er das körpereigene Hormon Leptin aus. Es signalisiert dem Gehirn, dass man aufhören kann zu essen. Einzige Ausnahme: Fruktose aktiviert den Leptinausstoß nicht.“ Der Hintergrund: In der Natur gibt es keinen Zucker; einzig Früchte sind süß – aufgrund des Fruchtzuckers. Da es die meisten Früchte nur im Sommer gibt, mussten die Menschen in der Steinzeit Zucker auf Vorrat essen können, der dann im Winter in Form von Energie verfügbar gemacht werden konnte. Heute freilich ist das anders. Metka: „Die Fruktose in einem Apfel ist unbedenklich, aber – wie überall – die Dosis macht das Gift.“ Heute kann man Fruchtzucker in Massen herstellen. Man denke etwa an den Fruktose-Mais-Sirup, der in den USA fast allen Nahrungsmitteln und Limonaden zugesetzt wird. Metka: „In den USA werden die Menschen mit Fruktose gemästet. Das führt nicht nur zu Übergewicht, sondern auch, was erst seit kurzem bekannt ist, zu einer nicht-alkoholischen Fettleber. Denn Fruktose wird im Gehirn gar nicht, und in den Muskeln nur zu fünf Prozent verbraucht. Der Rest geht in die Leber.“ Und, setzte Metka nach: „In den USA führte der exzessive Fruktose-Konsum bereits zu einer Abnahme der Lebenserwartung.“

8) Brainfood schützt vor Demenz
Der Ulmer Präventivmediziner Alfred Wolf hob in diesem Kontext in seinem Vortrag „Nahrung fürs Gehirn“ die positiven Wirkungen von Brainfood hervor. Vor allem Beeren, Dörrpflaumen und Rosinen würden die Gehirnzellen und somit die Gehirnfunktion positiv beeinflussen, ebenso Lecithin und Omega-3-Fett -säuren. So könne jeder einzelne mit bewusster Ernährung (siehe dazu auch Punkt 10) etwas aktiv gegen Demenz und Alzheimer tun. Ausreichend Bewegung, hohe Versöhnlichkeit, positive Emotionen, innere und äußere Ordnung, regelmäßige Meditation, hohe Resilienz (psychische Widerstandsfähigkeit) und aktives Musizieren seien weitere Faktoren, die die geistige Gesundheit maßgeblich unterstützen, so Wolf.

9) Die positiven Seiten von Wein und Bier

Auch der Wirkung von Wein widmete Metka einen eigenen Fachvortrag. So erläuterte der Ernährungsexperte, wie Weintrauben vor allem im Rotwein sekundäre Pflanzen- und Abwehrstoffe, Quercetin sowie Resveratrol entwickeln, deren wertvolle Wirkungen durch den Genuss von Wein auf den Menschen übergehen. In diesem Zusammenhang brachte Metka dem interessierten Publikum eine neue, noch relativ unbekannte Weinbereitung näher: die sogenannten Orange- Weine. Hier handelt es sich um naturbelassene Trauben, die samt Schale über einen längeren Zeitraum vergoren werden, und daher nicht nur etwas intensiver schmecken, sondern auch mehr wertvolle Inhaltsstoffe besitzen (siehe dazu auch Story ab S. 62). Neurologe Manfred Walzl aus Graz konnte in seinem Vortrag „Trink dich jung!“ sogar dem Bier – in Maßen genossen – gesundheitsfördernde Aspekte nachweisen. Während der abendlichen Verkostungen edler Weine wurden die wertvollen Inhaltsstoff ein sinnlichen Genuss gegossen, anschließend gehaltvolle Anti- Aging-Cocktails kredenzt. Dass sich gesundheitsfördernde Nahrung und Genuss nicht entgegenstehen, merkte auch Philosoph und Buchautor Robert Pfaller an und verwies in seiner „Philosophischen Annäherung an die Kulinarik“ auf Epikur und dessen Lustprinzip, der meinte, man solle auch die Mäßigung maßvoll betreiben.

10) Anti-Aging- Ernährung verlängert das Leben
Dem Motto des Kongresses „Lass Nahrung deine Medizin sein“ entsprechend, zeigte Metka in seinem Vortrag „Altern im Zeitraffer durch falsche Ernährung“, wie wesentlich richtige Ernährung für ein gesundes langes Leben ist. Und bringt die richtige Ernährung mit einem Satz von Michael Pollan auf den Punkt: „Esst Lebensmittel, großteils pflanzlichen Ursprungs, und nicht zu viel.“ Metka plädierte für zwei Ernährungsstile: Die traditionelle mediterrane Ernährung und die traditionelle asiatische Ernährung. Wesentliche Säulen dieser Ernähungsstile sind: Möglichst viele unverarbeitete frische Lebensmittel, die Verwendung von pfl anzlichen Ölen mit einem guten Verhältnis von Omega-6- zu Omega- 3-Fett en, ausreichend Proteine, wenig Zucker, wenig Salz und wenig Fleisch. In Öl-Verkostungen, einem Smoothie-Workshop, Vorträgen über Ayurveda und die traditionelle chinesische Medizin sowie der praktischen Veranschaulichung der pharmakologischen Wirkung von Küchenkräutern konnte weiteres Wissen rund um ausgewogene Ernährung erworben werden. Zwei besondere Highlights begeisterten die Teilnehmer ganz besonders: die Kräuterwanderung mit 3-Hauben- Koch Thorsten Probost, der Pharmakologin Karin Ardjomant-Wölkart und den Kräuterfrauen von Oberlech, die ihren Abschluss in einem köstlichen Gourmetmahl fand. Und das – ebenfalls von der anschließenden Verkostung gekrönte – Showkochen mit den beiden Haubenköchen Thorsten Probost und Christian Rescher, die gemeinsam mit den Ärzten Markus Metka und Wolfgang Graf gesunde Haubengerichte kreierten. Den würdigen Abschluss fand die viertägige Veranstaltung im gemütlichen „Vorarlberg Brunch“ unter strahlend blauem Himmel inmitten der prächtigen Lecher Bergkulisse.