Die Fruchtbarmacher

08.09.2015

Seit mehr als 15 Jahren betreibt die Familie Michlits ihre Landwirtschaft nach der Demeter-Philosophie. SPAR Mahlzeit! hat das Familienunternehmen „Meinklang“ im burgenländischen Pamhagen besucht und jede Menge über biodynamischen Weinbau gelernt.

An der österreichisch-ungarischen Grenze treffen die Weingärten auf den scheinbar nie enden wollenden Horizont der ungarischen Tiefebene. An diesem Spätsommertag ist das pannonische Klima besonders spürbar. Nach einer kühlen Nacht ist die Luft wieder warm und trocken. Ideale Bedingungen für das Reifen der Trauben, ehe in wenigen Wochen die Weinlese beginnt. Es begrüßen uns das Ehepaar Angela und Werner Michlits junior sowie Werners Mutter Annelise, die den Betrieb der Familie kaufmännisch leitet. Die Landwirtschaft der Familie Michlits hat eine lange Geschichte. Bereits im 17. Jahrhundert betrieben die Vorfahren eine Landwirtschaft im Seewinkel. „Der Weinbau dominiert, aber wir sind mittlerweile ein Mischhof und betreiben eine autarke Kreislaufwirtschaft“, erzählt Annelise Michlits. Auf ca. 2000 Hektar wird mit knapp 30 Mitarbeitern gemeinsam angepackt. „Jeder unserer drei Söhne hat im Betrieb eine Aufgabe übernommen, die auch seinen jeweiligen Neigungen entspricht.“ Der jüngste Sohn Lukas kümmert sich um die Viehzucht, Johannes betreibt den Getreide- und Ackerbau und Werner macht mit Angela den Wein; überall mit dabei ist Vater Werner senior. Dass diese Aufgaben miteinander eng verknüpft sind und sich gegenseitig bedingen, ist Teil der Demeter-Philosophie, der sich die Familie seit dem Jahr 2000 verschrieben hat.

BIODYNAMIK ALS PRINZIP
Demeter ist der Begriff für eine biologisch-dynamische Wirtschaftsweise. Diese Entwicklung ging um 1920 von den Bauern aus, die schon damals erkannten, dass die Qualität von Boden und Nahrung durch die zunehmende Industrialisierung und den synthetischen Dünger verringert wurde. Demeter-Betriebe sind daher bis heute von Industriedüngern und Pestiziden unabhängig.

DIE KREISLAUFWIRTSCHAFT
„Oberstes Ziel von Demeter ist, dass sich der Hof selbst fruchtbar erhält. Das schafft man nur mit eigenen Rindern und einer entsprechenden Düngerversorgung bzw. Kompost, den wir wieder auf die Böden zurückführen“, bringt Werner Michlits die Kreislaufwirtschaft auf den Punkt. Die Viehzucht der Familie Michlits umfasst zwischen 600 und 1000 Rinder der Rassen Angus und Aubrak. Für die Fortpflanzung gibt es ausschließlich den Natursprung. Der Stier sorgt gleichzeitig für das Herden- Gleichgewicht und stiftet Ruhe. Die Tiere sind in Gruppen eingeteilt, auch Zonen für die jungen Kälber sind eingerichtet. Die zweite Besonderheit ist die lange Mutterkuh-Haltung, das bedeutet dass die Kälber etwa sechs Monate bis zur Geschlechtsreife bei ihren Müttern bleiben können, sich so von ihnen selbst lösen und emotional keinen Stress erleiden. Die Rinderrassen gelten als friedvoll und genügsam – und tatsächlich: Beim Rundgang durch die halboffenen aus Holz gebauten Ställe können wir die Ruhe und Gelassenheit der Tiere spüren.  

KOSMOS & PRÄPARATE
In der Demeter-Wirtschaftsform werden auch irdische und kosmische Rhythmen berücksichtigt. Angela Michlits: „Die Gestirne prägen unseren Arbeitsablauf. Füllen wir bei aufsteigendem und zunehmenden Mond die Flaschen ab, dann hält sich der Wein besser. Manchmal schmeckt er auch an Frucht- und Wärme bzw. Blüte- und Lichttagen besser.“ Die dritte Säule der Demeter-Lehre bezieht sich auf die Arbeit mit den biodynamischen Präparaten, die aus Heilpflanzen, Kuhmist, Bergkristall und Tierhüllen gewonnen werden. Teils werden sie auf Böden und Pflanzen gespritzt, teils werden sie dem Kompost beigefügt um wertvollen Humus-Dünger für die landwirtschaftlichen Böden zu erhalten. Das übergeordnete Ziel ist es, den Boden zu verlebendigen. Was auf den ersten Blick esoterisch erscheint, wird von Werner Michlits sofort entmystifiziert: „Das hat alles seine Grundlage. Als Menschen haben wir die Möglichkeiten, die Zucht und Anbaumethoden zu beeinflussen. Unser göttlicher Schöpfungsauftrag ist es, alles fruchtbar zu gestalten.“ So entstehen also Lebensmittel im Zusammenklang von Boden, Pflanze, Tier und Mensch.

MEINKLANG IM EINKLANG
Dieses Zusammenspiel spiegelt sich auch im Markennamen „Meinklang“ wider. Das „M“ steht für Michlits, die Kuh auf den Etiketten für die Fruchtbarkeit und als vereinendes Element. Auch das Wort „Mein“ hat seine Bedeutung. Es weist auf die eigene Handschrift hin und soll auch das Puristische in den Weinen verdeutlichen. „Wir arbeiten mit den strengen Demeter-Richtlinien, die gentechnisch veränderte Hefen, synthetische Düngemittel und Zusätze usw. ausschließen. Und wir keltern möglichst schwefelfrei und ohne Zuckerzusatz.“

WEIN AUS BETONEIERN
Ein schönes Beispiel für einen besonders „puren“ Tropfen ist der „Konkret“-Wein, der in überdimensionalen, eigens angefertigten Betoneiern gelagert wird. Durch die ovale Eiform mit den Proportionen des goldenen Schnitts wird ein ungehindertes Zirkulieren ermöglicht. Angela Michlits: „Beton hat extrem feine Luftporen, durch die der Wein genau jene Menge Sauerstoff aufnehmen kann, die er für seine Reifung braucht.“ Dadurch entstehe ein vollkommen unbeeinflusster, eben konkreter Sortencharakter. (Der Meinklang Konkret Bio-Wein ist online auf weinwelt.at erhältlich).

ORANGER WEIN IM TREND
Völlig unbeeinflusst oder besser gesagt „ungekämmt“ bleiben auch die sogenannten „Graupert“-Weingärten. „Graupert steht im burgenländischen Dialekt für wild, ungekämmt, und beschreibt als Weinbezeichnung das Wachstum der Reben, erklärt Werner Michlits. Für diese Weine wird auf jeglichen Rebschnitt verzichtet, die Reben sollen hier selbst zu ihrem Gleichgewicht finden. In ihrem natürlichem Streben formen die Rebstöcke einen Leittrieb, hier kommt seine ganze Kraft den Früchten zugute. Die Früchte dieser Rebstöcke sind kleiner und haben eine dicke Fruchtschale, weniger Saft und mehr Extrakt. Die Weine erhalten durch den langen Kontakt mit den Traubenschalen bei der Maischegärung eine orange Farbe, obwohl es sich beim Graupert um Weißwein-Trauben handelt. Diese Weine sind praktisch schwefelfrei, ohne Zuckerzusatz und punkten mit einem hohen Gehalt an Polyphenolen, die antioxidativ wirken. (Der Meinklang Grauburgunder Graupert Bio-Wein ist bei INTERSPAR und auf weinwelt.at erhältlich.)

TTIP ALS GEFAHR
Zum Schluss unserer Tour wird Werner Michlits nachdenklich. Das US-Freihandelsabkommen TTIP mache ihm große Sorgen, denn es arbeite genau gegen die Bemühungen des Betriebs. „In den USA gibt es Weine mit dem Prädikat ,Barrique‘, der Wein war aber nie in einem Eichenfass.“ Es gibt sogar Weine, die im Labor aromatisiert werden. Außerdem werde oftmals genmanipulierte Hefe verwendet, die neue Inhaltsstoffe produziert. „Hierzulande sind derartige künstliche Weine streng verboten“, räumt Werner Michlits ein und stellt klar: „Exportmöglichkeiten haben wir heute schon ausreichend, aber die Öffnung für Weine mit niedrigeren Standards – das wäre höchst bedenklich.“