Der Vielfalt auf der Spur

08.09.2015

Im Schau- und Forschungsgarten „Karls Garten“ im Zentrum von Wien lernen Schulkinder bei spannenden Exkursionen, wie wichtig Obst- und Gemüsevielfalt sowie gesunde Böden sind.

Urbaner und zentraler geht es kaum: Wien Karlsplatz. Treffpunkt unzähliger Geschäftsleute, Studenten, Touristen und seit kurzem auch emsiger Stadtgärtner. Denn mitten im Rosa-Mayreder- Park gegenüber der Technischen Universität befindet sich seit April 2014 der „Karls Garten“ – Wiens größter öffentlicher Schau- und Forschungsgarten. Ins Leben gerufen von Andreas Wiesmüller, dem Pächter des Kunsthallenlokals „Heuer“. Er hat den Verein „Karls Garten“ gegründet und neben seinem Restaurant eine rund 2000 m2 große, frei und für jedermann zugängliche Oase für Obst und Gemüse geschaffen. „Ich möchte, dass die Menschen wieder mehr Bewusstsein für gesunde Lebensmittel und Lebensmittelproduktion entwickeln“, sagt er. Im ersten Jahr drehte sich alles um Urban Farming, um herauszufinden, wie der optimale Anbau in der Stadt funktioniert. Heuer, im internationalen Jahr des Bodens, lautet der Schwerpunkt „Alte Sorten“. Da lag es auf der Hand, mit SPAR zu kooperieren, schließlich engagiert sich SPAR in Zusammenarbeit mit ARCHE NOAH und Erich Stekovics unter der Eigenmarke „SPAR wie früher“ schon seit 2008 für die Rückkehr zahlreicher Bio-Saaten- Raritäten und Pflanzen in unsere Gärten.

PROJEKT „KLEINE STADTGÄRTNER“
Während der Schulzeit finden regelmäßig Führungen für Schulklassen der 5. bis 7. Schulstufe statt – mit dem Ziel, dass sich die Schüler praxisnah mit dem Thema Garten, Erde, Pflanzen, Sortenvielfalt, Bodenqualität und gesunde Ernährung beschäftigen. Wiesmüller: „Bei uns lernen die Kinder spielerisch, wie man in der Stadt einen Garten anlegen kann, welche alten Obstund Gemüseraritäten es gibt, und wie man mit diesen alten Sorten gesund kochen kann.“ Die gelernten Inhalte werden nach der Exkursion mit einem Kreuzworträtsel abgeprüft. Wenn die Schüler das richtige Lösungswort gefunden haben, bekommen sie den „Kleine Stadtgärtner“-Ausweis.

BEI WIENER SCHÜLERN EIN HIT
„Es ist wichtig, im Biologieunterricht nicht nur theoretisches Wissen zu vermitteln, sondern auch hinauszugehen und die Gärtnerei hautnah mitzuerleben“, sagt Lehrerin Christine Pestinger, die mit den Kindern der sechsten Klasse des BRG23 Anton Kriegergasse gekommen ist. In der Klasse unterrichtet die Lehrerin das erfolgreiche und ebenfalls von SPAR unterstützte SIPCAN-Projekt „Trink- und Jausenführerschein“, bei dem den Schülern das optimale Ernährungsverhalten in der Schule nähergebracht wird. Projektleiter Manuel Schätzer vom Verein SIPCAN erklärt: „Das Projekt ,Die kleinen Stadtgärtner‘ passt perfekt dazu, weil es eine Stufe davor ansetzt, nämlich beim Anbau von Obst und Gemüse.“ Und, so Schätzer: „Vor Ort erhalten die Lehrer eine aufbauende Broschüre für die Nachbereitung im Unterricht. So können sie die Inhalte mit den Kindern noch weiter vertiefen.“

VIEL ZU ENTDECKEN
„Wow, so bunte Bohnen“, staunt einer der Burschen. „Ich dachte, die sind bloß grün.“ Im „Karls Garten“ wachsen mitunter rote und gelbe, die zum Probieren animieren. Schon eilen die Burschen weiter zum nächsten Hochbeet. In einem wächst Rhabarber neben Roten Rüben, Mangold und dem milden Malabar- Spinat. In einem anderen gibt’s Hirse, Sojabohnen, Einkorn, Emmer sowie Sommerweizen und Sommergerste. Dann gehört die Aufmerksamkeit den Tieren. Mitten im „Karls Garten“ gibt es nämlich auch eine Schneckenzucht, einen Bienenstock mit „Schaufenster“ und ein „Nützlingshotel“ für Insekten. Währenddessen scharen sich die Mädchen um den Kräuterturm, in dem verschiedene Minzen, mediterrane Kräuter und Basilikum wachsen. „Für Jugendliche am Land ist ein eigener Garten meist eine Selbstverständlichkeit. Stadtkinder hingegen betreten mit dem ,Karls Garten‘ nicht selten komplettes Neuland“, sagt Sebastian Zeddel, der gemeinsam mit Simone Rongitsch die Schüler in Kleingruppen durch die einzelnen Garten-Stationen führt. „Dürfen wir kosten“, fragt eine Schülerin und ein Lächeln huscht auf ihr Gesicht, als Zeddel nickt.

VIELFALT STATT EINFALT
Rund 50 Obst-, Gemüse-, Kräuter und Getreidesorten gedeihen im „Karls Garten“. Dass für SPAR „Vielfalt statt Einfalt“ nicht nur ein Slogan ist, zeigt die Auswahl an Erdäpfelsorten. Bei den klingenden Namen horchen die Schüler auf. „Sieglinde“, „Rosa Tannenzapfen“, „Rote Emma“ oder sogar „Blaue Elise“. Sofort wird der Gruppenleiter mit Fragen bombardiert. „Wieso ist diese Kartoffel violett?“ „Wächst der Rosa Tannenzapfen auf einem Baum?“ Zeddel freut’s: „Je neugieriger die Kinder sind, desto mehr können wir ihnen klarmachen, wie wichtig nicht nur alte Sorten und eine große Vielfalt sind, sondern auch, dass gesunde Lebensmittel vor allem gesunde Böden brauchen.“