5 Fragen an den Tiroler Knödel

20.08.2013

1) Wie und wann bist du auf die Welt gekommen?
Ich bin eine regionale Variante des Mehl- bzw. des Semmelknödels und wurde im Tirol des 16. Jahrhunderts aus der Not heraus geboren. Das karge Leben in den Bergen zwangdie Bauern dazu, zu essen, was der eigene Hof bereitstellte: Brotreste, Mehl, Speck, Eier, Milch und Kräuter. Aus diesen Zutaten stellten sie mich her und kochten mich in siedendem Wasser. Ich war bald so beliebt, dass ich eigene Tage bekam. Jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag wurde ich aufgetischt.

2) Wer gab dir deinen Namen?

Einer Legende nach hat mir die Wirtin aus dem Gasthaus "Zu den drei Lilien" in Hall in Tirol meinen Namen gegeben. Sie soll mich den hungrigen Soldaten von Kaiser Karl V. zum Essen gegeben haben und als sie fragten, was ich denn sei, sagte sie: Tiroler Knödel. So ähnlich jedenfalls steht es in der Haller Stadtchronik.
 
3) Woher kommt dein Name?
Der Ausdruck Knödel leitet sich im weitesten Sinn vom lateinischen Wort nodus für Knoten ab. Daraus entwickelte sich der mittelhochdeutsche "knode, knote" für "kleiner Knoten" oder "Hügel". Im Spätmittelhochdeutschen entstand als Verkleinerungsform das Wort "knödel".

4) Hast du Geschwister?

Ich habe so viele Verwandte, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann. Sowohl die Kartoffel-, Servietten-, Topfen-, Grieß-, Fleisch- und Germknödel als auch die Grammel-, Kaspress- und Leberknödel sind Teil meiner Familie. Dazu kommen die mit Kraut, Faschiertem oder Spinat gefüllten pikanten Neffen und die süßen Nichten, die Früchte in sich haben. Und dann meine Schwestern in Europa. In Italien die Gnocchi, im Norden Deutschlands die Klöße und die slawischen Knedliky.

5) Wie isst man dich?
Ursprünglich war ich eine Suppeneinlage. Man hat mich zuerst in Schmalz hellbraun gebacken, dann in die Suppe gelegt und überkocht. Wurde ich nur gekocht, hat man spöttisch "Schneiderknödel“ zu mir gesagt, weil ich weniger ausgiebig und sättigend war und gerade für den Kraftaufwand eines Schneiders bei seiner Arbeit reichte. Während der Fastenzeit aß man mich als "Faschtnknödel" in abgespeckter Form. Formt man mich größer, werde ich heute auch gerne als Beilage oder Hausmannskost mit Salat oder Sauerkraut serviert.