„Ich bin ein Heikler“

04.07.2013

Marmeladepionier Hans Staud erzählt von seiner wählerischen Seite und warum er für die heimischen Landwirte schwärmt. Hans Staud wurde 1948 in Wien geboren, wo er auch Welthandel studiert hat. Er begann 1971 mit der Veredelung von Obst und Gemüse, sein eigenes Geschäft betreibt er im 16. Wiener Gemeindebezirk beim Brunnenmarkt. Neben dem Österreichischen Integrationspreis wurde er auch für seinen Einsatz für die österreichischen Bauern gegenüber dem Handel zum Ökonomierat ausgezeichnet. Im Interview mit SPAR Mahlzeit!-Chefredakteurin Carmen Wieser steht der Unternehmer und Landwirt Rede und Antwort.

SPAR Mahlzeit!: Herr Staud, was haben Sie heute gefrühstückt?
Hans Staud: Ich hatte ein Salzstangerl mit Butter, etwas Schnittlauch drauf, leicht gesalzen und einen Kräutertee. Außerdem habe ich schon drei Espresso getrunken.

SPAR Mahlzeit!: Sie essen also in der Früh keine Marmelade?
Hans Staud: Ich bin überhaupt kein Süßer, schau auch nicht süß aus (lacht), nein, ich bin ein süßer Löffler. Es war bei uns daheim nicht üblich, Marmelade aufs Brot zu streichen, allein schon deshalb, weil man damals die Marmeladen in Wien nicht essen konnte. Meine Großmutter aus der Oststeiermark hat mir zu Weihnachten immer ein Packerl mit selbst gemachter Marmelade von den Äpfeln, mit denen mein Vater gehandelt hat, geschenkt; die war gut, alles andere an Marmeladen habe ich verweigert. Ich erinnere mich noch an meine Internatszeit, da gab es immer undefinierbare orange und rote Marmelade auf den Schulbroten. Als ich diese Nachmittagsjause verweigert habe, bekam ich einmal einen Eintrag im Mitteilungsheft. Mein Vater hat daraufhin selbst diese Marmelade gekostet und gemeint: „Recht hat er, mein Sohn.“

SPAR Mahlzeit!: Das Heikle liegt also in der Familie?
Hans Staud: Ja, das habe ich von meinem Vater geerbt – leider und auch Gott sei Dank.

SPAR Mahlzeit!: Sie haben neben Ihrem Welthandel-Studium bereits mit der Veredelung von Obst und Gemüse begonnen. Ihr Vater, Obst und Gemüsegroßhändler, war aber nicht erfreut...
Hans Staud: Nein, er war ein Sturschädel und wollte, dass ich es leichter habe als er. Er wollte, dass ich nach dem Studienabschluss nach Deutschland gehe. Damals konnte man dort als Akademiker sehr viel mehr verdienen. Da ich damals aber schon meine ersten Kunden hatte, hat er eingesehen, dass ich mich selbstständig machen wollte.

SPAR Mahlzeit!: Wer waren zu der Zeit Ihre Kunden?
Hans Staud: Greißler und die ersten Supermärkte. Die meisten gibt es heute nicht mehr. Ich glaubte damals nicht an die Zukunft der Selbstbedienungsläden. Ich dachte immer, dass sich die Leute beraten lassen möchten. Das war aber nicht so. Jetzt sieht man aber einen Umkehrtrend, der Kunde will wieder mehr über die Produkte wissen. Bei SPAR hat man das schon früh erkannt.

SPAR Mahlzeit!: Wie bewerten Sie heute die Lebensmittelbranche?
Hans Staud: In meiner internationalen Tätigkeit sehe ich eine Schere: Entweder man macht etwas Ordentliches mit guter Qualität, was aber seinen Preis hat, oder man setzt auf Billigproduktion. Dazwischen gibt es nichts. Wir haben uns, weil ich so ein Heikler bin, von Anfang an für Top-Qualität entschieden.

SPAR Mahlzeit!: Was ist für Sie Top-Qualität?
Hans Staud: Der Qualitätsbegriff ist für mich vor allem über die Menschen, die am Produkt arbeiten, definiert. Da sind einerseits meine Konsequenz, mein Durchhaltevermögen und die Disziplin zu mir selbst und zu meinen Mitarbeitern, sowie umgekehrt auch die Disziplin der Mitarbeiter zu sich selbst. Und andererseits ist auch die Disziplin gegenüber meinen Bauern wichtig. Bei uns wird nicht leichtfertig herumgefuselt, wir haben Prinzipien, vor allem bei der Auswahl der richtigen Obst- und Gemüsesorten, da sind wir sehr wählerisch.

SPAR Mahlzeit!: Woher beziehen Sie Ihre Früchte?
Hans Staud: Ich beziehe meine Früchte bei normalen Bedingungen zu 60 Prozent aus Österreich, der Rest ist aus klimatischen Umständen nicht in Österreich zu bekommen, Orangen und Ananas etwa.

SPAR Mahlzeit!: Ich habe gehört, dass Sie serbisch sprechen...
Hans Staud: Ja, wir sind hier multikulti! Ich spreche mit meinen Mitarbeitern serbisch, englisch oder französisch. Mitarbeiter aus acht Nationen arbeiten mittlerweile bei uns. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in unseren Exporttätigkeiten wider. Die Mitarbeiter freuen sich, wenn die von ihnen hergestellten Produkte von der Spitzen-Hotellerie auf den Philippinen oder in China nachgefragt werden.

SPAR Mahlzeit!: Adaptieren Sie für diese Länder die Rezepturen?
Hans Staud: Nein, wir erzeugen unsere Konfitüren immer nach Wiener Art. Gerade das wünschen sich diese Kunden. Gute europäische Produkte von höchster Qualität funktionieren wunderbar, es ist sexy, Europa zu essen. Wir exportieren derzeit in 17 Länder.

SPAR Mahlzeit!: Sie haben Ihr Geschäft am Brunnenmarkt in Ottakring. Das ist ein Bezirk mit vielen Zuwanderern. Warum gerade dort?
Hans Staud: Ich habe immer an dieses Grätzl geglaubt. Hier ist meine Heimat, hier bin ich aufgewachsen und unser Standl gibt es mittlerweile seit 1885. Ich muss auf dieses Grätzl schauen, denn hier kennt man sich einander.

SPAR Mahlzeit!: Sie werden im August 65 Jahre alt, welche Wünsche haben Sie für die Zukunft?
Hans Staud: Ich wünsche mir, dass es so weiterläuft wie jetzt. Ich lege Wert auf nett e Kunden, auf gleichwertige Partner, so wie SPAR es ist. Da wird nicht nur herumgeredet, sondern da wird die regionale Landwirtschaft mit langfristigen Kooperationen gefördert. Unser Sauergemüse kommt zu 90 Prozent aus Österreich: burgenländische Landwirte, wie etwa Martin Fangl aus Andau, der mittels integriertem Landbau die wunderbaren Pfefferoni und Gurken anbaut und uns damit beliefert. Oder auch Franz Wunderlich, der im Waldviertel die aromatischen Erdbeeren und Himbeeren für uns sorgsam pflegt und hegt. Ich wünsche mir, dass die österreichischen Landwirte, die mit vollem Einsatz und hohem witterungsbedingtem Risiko arbeiten, noch mehr wertgeschätzt werden. Denn von integriertem Landbau mit Fruchtwechselwirtschaft und Feldertausch haben alle etwas: der Bauer, der Konsument und auch die Bienen, die ja so wichtig sind. Das ist ertragssichere zukunftweisende Landwirtschaft.

SPAR Mahlzeit!: Was hat Sie bewogen, mit SPAR neue Produkte zu entwickeln?
Hans Staud: SPAR ist für mich ein guter Partner, weil er auch mit den Eigenschaft en eines ordentlichen Kaufmanns handelt und der Kooperationsgedanke nicht darin besteht, die Marke Staud , s mit der Eigenmarke zu tauschen, sondern vielmehr darin, das Angebot weiterzuentwickeln.

SPAR Mahlzeit!: Welches ist Ihre persönliche Lieblingsmarmelade?
Hans Staud: Fad, aber wahr: Marille ist einer meiner Favoriten. Auch die Garten-Brombeere schmeckt herrlich, wenn man sie lauwarm macht und in Palatschinken streicht. Hagebutte schmeckt ebenfalls vorzüglich. Den Jugendwunsch, diese Marmeladen zu produzieren, haben wir gemeinsam verwirklicht.

SPAR Mahlzeit!: Herr Staud, herzlichen Dank für das Gespräch.