Mahlzeit! Magazin 03-2016

Besser BIO

27.05.2016

Liebevolle Betreuung, saubere Umgebung, viel Auslauf – die Bio-Hühner der Familie Lugstein aus Seekirchen haben es gut.

Zwei separate Stallanlagen – in einer wuseln die kleinen Küken, in der anderen stolzieren die ausgewachsenen Hühner. Ein bisschen erinnert das Szenario an einen Kindergarten, als wir die Ställe auf dem Bio-Bauernhof von Helmut Lugstein in Seekirchen Angerpoint im Salzburger Land betreten. Lebhaft formieren sich die Küken und Hühner zu kleinen Grüppchen und erkunden neugierig, was sich rund um sie tut. Zu entdecken gibt es viel, denn sowohl der Stall als auch der Auslauf auf dem Bio-Bauernhof sind groß und voller Abwechslung.

ARTGERECHTE BIO-ZUCHT

Helmut Lugstein ist einer von 80 Bio-Hendl-Bauern, die SPAR mit Bio-Hendlfleisch versorgen. Bereits im Alter von 18 Jahren hat der Bio-Landwirt den Bauernhof seines Großvaters übernommen. Damals noch mit Milchkühen. Da Ehefrau Monika aber auf Bio-Hühner umsatteln wollte, entschieden sich die Bio-Bauern vor ein paar Jahren für den Wechsel. Lugstein: „Wir legen bei den Lebensmitteln, die wir selbst konsumieren, großen Wert auf die Qualität und die Haltungsform der Tiere. Daher war es für uns selbstverständlich, auch unsere Hühner so artgerecht wie möglich zu züchten. Das konnte nur die biologische Zucht bieten.“ Denn, so Lugstein: „Wichtig war uns vor allem, dass die Freilandhühner ausreichend Platz im Stall haben und genügend Auslauf ins Grüne nützen können, um Gräser zu picken.“

KRÄUTER STATT ANTIBIOTIKA

Die Lage des Hofs und der Auslauf sind bestens geeignet für die Aufzucht der munteren
Geflügelschar: Auf einem sanft ansteigenden Hang steht der Hof der Lugsteins, etwas weiter unten das Wohnhaus, und auf der Kuppe des Hügels der große Hühnerstall. Dazwischen wurde die Halle für die Voraufzucht der Küken gebaut. „Bei uns gibt es eine klare Aufgabenteilung. Meine Frau kümmert sich um die Küken, ich mich um die Hühner.“ Als winzige, 40 Gramm leichte Küken werden die jungen Hühnchen aus einer Bio-Brüterei in Kremsmünster angeliefert. In der großen Halle verteilen sie sich rasch und haben genügend Platz. „Die erste Woche ist die schwierigste Phase“, erzählt Monika Lugstein. „Da muss das Immunsystem erst aufgebaut werden. Vor allem die Darmgesundheit benötigt strenge Kontrolle.“ Die EU-Bio-Richtlinien für Bio-Masthühner besagen, dass die vorbeugende Gabe von Antibiotika verboten ist.

NESTWÄRME GARANTIERT
Küken mögen es warm. In der Voraufzuchtshalle liegt die Temperatur in der ersten Woche bei konstanten 31 Grad Celsius. Danach kann auf 27 Grad reduziert werden. Alles bequem und sauber per Fußbodenheizung. „Drei Mal am Tag mache ich meine Runde durch die Halle. Ich setze mich dann gerne mitten unter die Küken und beobachte ihr Verhalten. Das ist herrlich entschleunigend“, lächelt die Bio-Bäuerin. Küken darf es nicht langweilig werden. Sie brauchen Beschäftigung, sonst besteht in den ersten zehn Tagen die Gefahr des Kannibalismus. „Deswegen legen wir zum Beispiel Tannenzweige in die Halle. Daran können sie knabbern, herumklettern oder sich verstecken.“ Nach rund drei Wochen steht die Übersiedelung in den großen Hühnerstall an. „Wir sammeln sie immer nachts ein. Tagsüber wäre es sehr schwierig, die Küken zu fangen, weil sie Fluchttiere sind, aber im Finstern sind sie nachtblind und bleiben stehen“, erzählt der Bio-Bauer. Mit Taschenlampen mit blauem Licht ausgerüstet, das die Hühner nicht wahrnehmen können, stapfen die Lugsteins vorsichtig durch die Halle und klauben alle Tiere ein. „Nach zwei Stunden ist die Arbeit erledigt“, zeigen sich Markus und Melanie, die Kinder, stolz darüber, dass sie manchmal ein bisschen mithelfen dürfen.

WIESE MIT WINTERGARTEN
Das große Stallgebäude auf der Hügelkuppe ist in der Mitte geteilt. Spiegelverkehrt sind zwei Hühnerställe angelegt. Die Bio-Auflage schreibt vor, dass pro Quadratmeter maximal zehn Hühner in einem Stall untergebracht sein dürfen – das sind nur etwa halb so viele wie in der konventionellen Zucht. „Uns ist wichtig, dass die Hühner genug Platz haben und sich wohlfühlen“, erklärt der Bio-Bauer. Auch ein überdachter Außenbereich ist stets frei zugänglich. Die Lugsteins nennen diesen Bereich liebevoll „Wintergarten“. Dort können die Hühner auf Stroh sitzen und durch große, windgeschützte Fenster nach draußen blicken. Das echte Hühnerparadies präsentiert sich aber vor dem Stall. Über Einstiegsluken dürfen die Hendln tagsüber hinaus auf die vier Hektar große Wiese. „An schönen Tagen sind sie den ganzen Tag draußen, und im Winter achten wir darauf, dass sich die Bio-Hühner auch an kalten Tagen mindestens vier Stunden draußen bewegen“, erzählt Lugstein.

LÄNGERES LEBEN
Ganz wesentlich zum Aroma der Bio-Hendln trägt auch deren Fütterung bei. Lugstein: „Beim Futter scheuen wir keine Kosten und Mühen. Unsere Tiere bekommen ausschließlich gentechnikfreies Bio-Futtermittel. Eine bunte Getreidemischung.“ Speziell Küken benötigen hochwertiges Getreide, fein granuliert und energiereich. „Das wirkt sich auf die Qualität des Fleisches aus: Ein Bio-Huhn, das viel an der frischen Luft ist und gutes Futter bekommt, hat festes, saftiges Fleisch und einen feinen Eigengeschmack. In der Küche kann man mit dem Würzen dafür sparsam sein“, verrät Monika Lugstein. In der Bio-Haltung bestimmt keine Gewichtsgrenze den Zeitpunkt der Schlachtung, das Geflügel muss stattdessen ein bestimmtes Mindestalter erreichen. Während ein konventionelles Huhn etwa 33 Tage alt wird, dürfen Lugsteins Bio-Landhendln rund zehn Wochen leben. Wenn es für die Bio-Hendln schließlich Zeit wird für die Schlachtung, fährt der Bio-Landwirt immer mit und bleibt bis zum Schluss bei den Tieren. Lugstein: „Mir ist es wichtig, dass auch die Schlachtung so artgerecht wie möglich ist. Zum einen sind wir es den Tieren schuldig, und zum anderen ist das auch der Qualität des Fleisches zuträglich.“

 

INTERVIEW
Bio-Landwirt Helmut Lugstein über die Vorteile der Bio-Hendl-Zucht.

SPAR Mahlzeit!: Wodurch unterscheidet sich die Bio-Zucht von konventioneller Hühnerhaltung?
Helmut Lugstein:
Das beginnt bei der Besatzungsdichte. Bio-Hühner haben viel mehr Platz im Stall. Außerdem ist – im Gegensatz zur konventionellen Zucht – ein großer Freibereich Pflicht, wo sie einen Auslauf im Grünen haben. Der Stall selbst muss mit Einstreu ausgebettet sein und Tageslicht bieten.

SPAR Mahlzeit!: Wie gehen Sie mit männlichen Küken um?
Helmut Lugstein:
Wir sind gegen das Aussortieren der Hahn- oder Eintagsküken. Bei uns wachsen männliche und weibliche Hühner gemeinsam auf.

SPAR Mahlzeit!: Wie halten Sie Ihre Tiere vital und gesund?
Helmut Lugstein:
Wir beobachten genau das Verhalten unserer Hühner und reagieren umgehend, wenn etwas nicht stimmt. Durch die gewissenhafte Aufzucht entwickeln die Tiere ein gutes Immunsystem und die regelmäßige Bewegung an der frischen Luft hält sie fit. Im Krankheitsfall setzen wir auf Naturheilmittel, vertrauen auf Kräuter und Öle. Bisher haben wir damit gute Erfahrungen gemacht.