Ökosystem Boden in Gefahr!

19.05.2015

Intensive Landwirtschaft, Monokulturen, Industrie- Dünger und chemischer Pflanzenschutz zehren unsere Böden aus. Aber: Gesunde Böden sind eine der wichtigsten Voraussetzungen für gesunde Lebensmittel. Deshalb startet SPAR mit dem WWF und 69 pionierhaften Landwirten eine Kooperation für den Aufbau und Erhalt hochwertiger Humusböden. 

Woran denken Sie, wenn Sie den Begriff Boden hören? An einen Fußboden, den Dachboden oder etwa den Hosenboden? Den wenigsten Menschen fällt dabei der Erdboden ein. Sie schenken dem Boden, auf dem sie stehen und gehen, kaum Beachtung und nehmen ihn so selbstverständlich wie die Luft , die sie atmen, oder das Wasser, das sie trinken. Boden wird oft mit Negativem assoziiert. Den Kindern wird beispielsweise beigebracht, dass sie sich nach dem Spielen im Garten sofort die Hände waschen sollen, denn Erde ist schmutzig. Hingegen weiß kaum jemand, dass der Boden der Lebensraum für ein Viertel der gesamten Erd-Biodiversität ist. Dass sich auf einem Hektar Erde in den obersten 30 Zentimetern rund 15 Tonnen Bodenlebewesen tummeln; das entspricht einem Gewicht von 20 Kühen! Oder ist Ihnen bewusst, dass der Boden ein ganz wichtiger Wasser und CO2-Speicher ist und damit einen wesentlichen Beitrag zum Klima- und Hochwasserschutz leistet? Und zu guter Letzt: Wann haben Sie das letzte Mal in Dankbarkeit darüber nachgedacht, dass der Boden unter unseren Füßen die Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere und Menschen ist und als Lieferant für fast alle unsere Nahrungsmittel dient?

INTENSIVE LANDWIRTSCHAFT ZERSTÖRT DIE BÖDEN

So selbstverständlich, wie wir den Boden als gegeben nehmen, so selbstverständlich wird diese unschätzbar wertvolle natürliche Ressource seit Jahrzehnten um den Preis hoher Erträge ausgebeutet. Die intensive Landwirtschaft mit ihren Monokulturen, Saatgutmonopolen, den schweren Maschinen, der Gentechnik und dem massiven Einsatz von chemischen Keulen, zehrt weltweit die Ackerböden aus, vermindert die Sortenvielfalt und zerstört den wertvollen Humus, der von essenzieller Bedeutung für die Bodengesundheit ist. WWF-Klimaschutzreferentin Julia Haslinger: „Ohne Humus werden die Böden ihrer natürlichen Fähigkeiten, die Pflanzen zu nähren und zu schützen, beraubt.“

TERRA-PRETA-BÖDEN ALS VORBILD

Das wussten auch schon die präkolumbianischen Indianer im Amazonasgebiet von Brasilien, die mit der Terra Preta („Schwarze Erde“) eine Art Supererde, die nun schon seit 2000 Jahren fruchtbar ist, schufen und den heutigen Landwirten als Vorbild dient. Haslinger: „Auch die Ureinwohner Amazoniens bereiteten ihre Abfälle auf und brachten sie in den Boden ein. Nach diesem Rezept sammelten sich im Boden immer mehr Nährstoff e an. Heute reicht die Schwarzerde, die aus rund 10 Prozent Humus besteht, oft über einen Meter weit hinab in die Tiefe und regeneriert sich ganz von selbst.“ Und, ergänzt die WWF-Expertin: In Österreich kann die Humusschicht eines gesunden Ackerbodens 30 cm tief unter die Oberschicht des Bodens reichen und einen Humusgehalt von 2,5 bis 4 Prozent aufweisen.“ Aber, so die Klimareferentin: „Bereits ein Viertel unserer Ackerböden liegt unter diesen 2,5 Prozent.“ Andrea Johanides, Geschäftsführerin WWF Österreich, mahnt: „Wir übernutzen das Ökosystem der Erde um 50 Prozent. Das bedeutet, dass wir um 50 Prozent mehr natürliche Ressourcen verbrauchen als sich wieder nachbilden können. Damit uns auch in Zukunft gesunde Humusböden zur Verfügung stehen, müssen wir jetzt damit beginnen, Maßnahmen zu setzen.“ Nachsatz: „Wie dramatisch die Lage bereits ist, zeigt nicht zuletzt auch die Tatsache, dass die Vereinten Nationen das Jahr 2015 zum internationalen Jahr des Bodens ausgerufen haben.“

KOOPERATION ZWISCHEN SPAR UND WWF FÜR HUMUSAUFBAU

Grund genug für SPAR, eine weitere Kooperation mit dem WWF ins Leben zu rufen. Nach der überaus erfolgreichen Zusammenarbeit bei der Umstellung des gesamten Eigenmarken-Fischsortiments auf nachhaltige Produkte und als langjähriges Mitglied der WWF CLIMATE GROUP wollen SPAR und WWF gemeinsam der Vision von durch und durch gesunden Böden eine weithin sichtbare Form geben. Friedrich Häupl, Leiter des SPAR Obst- und Gemüse Sortimentsmanagements, erklärt die Kooperation: „Ab Juli werden sukzessive bis Herbst vier Gemüsesorten aus Humusanbau – SPAR Chinakohl, Cherrytomaten, Karotten und im Herbst auch Zwiebeln – das WWF-Partnerlogo tragen. So wird den Konsumenten gezeigt, dass sie sich mit der Wahl dieser Lebensmittel aktiv für den Schutz von Böden sowie des Klimas einsetzen. Denn die vier Produkte wachsen auf Böden, auf denen die Landwirte Humusaufbau betreiben.“ Und, setzt Häupl fort: „Diese Form der bodenschonenden Landwirtschaft bringt drei Gewinner hervor: Die Natur, die regionalen Produzenten und die Konsumenten. Denn die Böden können sich regenerieren und das Gemüse, das naturnah und ohne massiven Industrie-Dünger- oder Pflanzenschutzeinsatz in diesem gesunden Untergrund heranwächst, dankt es mit vollem Geschmack.“

GESUNDE BÖDEN DURCH GEZIELTEN HUMUSAUFBAU

69 Landwirte bauen derzeit auf rund 800 Hektar für SPAR Gemüse in bodenschonender Landwirtschaft an und wirken damit der schleichenden „Verwüstung“ wertvoller Ackerböden entgegen. Alois Liebmann aus Straden in der Steiermark, dessen Familie seit zwei Generationen ihre ganze Energie und Liebe dem Gemüseanbau widmet, ist einer von ihnen. Liebmann: „Als Landwirt nehme ich meine Verantwortung für den Boden, die Umwelt und natürlich auch für meine Kinder und die weiteren Generationen sehr ernst. Deshalb ist es mir wichtig, so achtsam wie möglich mit unseren natürlichen Ressourcen wie der Boden eine ist, umzugehen.“ Und erklärt: „Um den Humus für unsere Cherrytomaten optimal aufzubauen, bearbeiten wir den Boden nur ganz minimal, düngen nur mit Kompost und verwenden keinen Industrie-Dünger. Außerdem lehnen wir Monokulturen ab und setzen stattdessen auf Fruchtfolgen. Das bedeutet, dass wir zwischen Salat, Tomaten und Gründüngung abwechseln.“ Der Boden dankt es mit der Ansiedelung von Regenwürmern, Asseln und anderen kleinen Lebewesen und Mikroorganismen, die die abgestorbenen Pflanzenteile zersetzen und in fruchtbaren Humus umwandeln. Liebmann: „Selbstredend, dass auf diesem gesunden Boden, der durch die Lebewesen aufgelockert ist, die Pflanzen eine Freude haben, tiefe Wurzeln zu schlagen.“ WWF-Expertin Haslinger: „Das führt auch dazu, dass der Boden viel Wasser speichern kann. Somit trocknen die Pflanzen bei Dürreperioden nicht aus, und bei Starkregen gibt es weniger Überschwemmungen und weniger Bodenabtragung.“ Das ist enorm wichtig, wie Haslinger weiß: „Seit 1955 gingen weltweit schon ein Drittel der landwirtschaftlichen Böden durch Erosion verloren. In Österreich sind 25 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen erosionsgefährdet und laufen Gefahr, ihre vielfältigen Funktionen nicht mehr erbringen zu können.“

HERVORRAGENDE KLIMABILANZ

Ziel der Kooperation zwischen SPAR und WWF ist es, den Humusgehalt in den Ackerböden in den nächsten Jahren auf bis zu 5 Prozent aufzubauen. Haslinger: „Diese Erhöhung hat auch eine ganz wichtige Auswirkung auf unser Klima.“ Denn, so die Expertin weiter: „Auf den derzeit 800 Hektar Humus- Anbaufläche von SPAR können dadurch im Jahr 2015 bis zu 40.000 Tonnen CO2 im Boden gebunden werden. Insofern ist humusreicher Boden ein ganz wichtiger Faktor bei der Klimaentlastung.“ Mit ein Grund für SPAR, bis 2017 eine weitere Ausweitung der Humus-Anbauflächen um 50 Prozent auf 1200 Hektar mit einem Kohlenstoff -Entlastungspotenzial von 60.000 Tonnen zu planen. „Sollte allerdings das US-Freihandelsabkommen TTIP beschlossen werden, so würden die österreichische und die europäische Landwirtschaft einen fürchterlichen und irreversiblen Weg einschlagen müssen, um gegenüber den gigantischen US-Agrarfabriken wettbewerbsfähig zu bleiben“, warnt SPAR-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerhard Drexel.

KONSUMENTEN HELFEN MIT

Konsumenten verbessern ihre Umwelt nicht nur, indem sie zu Lebensmitteln aus Humusanbau, aber auch zu Bio-Lebensmitteln, Sorten-Raritäten, regionalen und lokalen Produkten greifen. Auch alle Hobbygärtner, die ihre Bio-Kräuter, ihr Bio-Obst und -Gemüse im Garten oder auf dem Balkon ziehen und dabei auf Bio-Saaten und Raritäten, auf Bio-Erde und Bio-Dünger setzen, helfen mit, die Böden und damit das Klima zu schonen. Und das Beste daran: Kaum etwas erfüllt den Menschen so nachhaltig mit Freude und dem Gefühl der Ausgeglichenheit wie das Arbeiten mit Erde, das Hegen und Pflegen der Pflanzen sowie der Duft der selbst gezogenen Kräuter und Früchte, die oft noch wie aus Großmutters Garten schmecken.