Weiß ist Trumpf

08.05.2013

Das Ergebnis einer aktuellen Studie über den sekundären Pflanzeninhaltsstoff Quercetin ruft helles Obst und Gemüse auf den Speiseplan. Obst und Gemüse gelten seit jeher als gesundheitsfördernd, manche werden sogar als Heilmittel eingesetzt. Lange Zeit interessierte sich die Forschung fast nur für die in den Pflanzen enthaltenen lebensnotwendigen primären Inhaltsstoffe wie Kohlenhydrate, Proteine und Fette sowie für Vitamine und Mineralstoffe. Erst in den letzten 30 Jahren rückten die sekundären Pflanzenstoffe in den Fokus der Wissenschaft. Auf einen dieser noch wenig erforschten sekundären Pfl anzenstoffe sind Wissenschaftler der niederländischen Universität Wageningen kürzlich besonders aufmerksam geworden: das Flavonoid Quercetin. Eine Langzeitstudie hat gezeigt, dass helle Lebensmittel wie Zwiebeln, Äpfel, Birnen oder Lauchgemüse das Gehirn im Vergleich zu bunten Früchten besser schützen und im Besonderen Schlaganfällen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Sie führen die Reduktion des Schlaganfallrisikos unter anderem auf den weißen Farbstoff Quercetin zurück, der vor allem in hellem Obst und Gemüse enthalten ist.

VOLKSNAHRUNG IM ALTERTUM
Dass weißes Gemüse dem Wohlbefi nden zuträglich ist, wussten schon die alten Ägypter, erzählt Anti-Aging- Experte Markus Metka: “Bereits vor 5.000 Jahren gehörten Zwiebeln im alten Ägypten zur fest etablierten Volksnahrung. Eine Inschrift auf der Pyramide von Gizeh belegt, dass den Arbeitern beim Bau der Pyramiden Knoblauch- und Zwiebelrationen zugeteilt wurden, um sie körperlich zu stärken und vor Infektionskrankheiten zu schützen.“ Was die Pyramidenbauer damals noch nicht wissen konnten, heute aber wissenschaftlich nachgewiesen ist: Zwiebeln haben mit 35 mg/100 g einen besonders hohen Gehalt an wertvollem Quercetin. Gefolgt von Chicorée (4,8 mg), Birnen (4 mg), Äpfeln (3,6 mg) und Lauch (3–23 mg). Metka: “Da sich die sekundären Pflanzenstoffe besonders dann ausprägen, wenn es um den Schutz der Pflanze gegen Schädlinge oder Krankheiten geht, enthalten Freilandpfl anzen mehr Quercetin als Pflanzen aus dem Gewächshaus.“ Und, empfiehlt Metka weiter: “Das Quercetin sitzt vor allem in der inneren Schale und in den äußeren Fruchtanteilen direkt unter der Schale. Daher sollten Obst und Gemüse nach Möglichkeit nicht geschält werden.“ Aber, setzt der Anti-Aging-Fachmann nach: “Flavonoide sind hitzestabil. Also darf es statt des rohen Obstes oder Gemüses auch ruhig ein Apfelkompott oder eine Zwiebelsuppe sein.“

DIE BIOAKTIVE KRAFT DES QUERCETINS
Während man damals noch nicht wusste, worauf die gesundheitsfördernde und stärkende Wirkung zurückzuführen ist, liefern heute wissenschaftliche Erkenntnisse die Antworten. Zwar hat Quercetin im Gegensatz zu Vitaminen und Mineralstoff en keinen Nährwert, dennoch werden dem Flavonoid vielfältige, physiologisch positive Effekte zugeschrieben. Ernährungsexpertin Andrea Tögel: “Quercetin ist ein natürliches Antioxidans und wirkt wie die Vitamine A, C und E als Radikalfänger. Mehr noch: Es regeneriert diese Vitamine und verstärkt damit auch deren antioxidative Wirksamkeit.“ Und, so die Expertin weiter: “Allein oder in Verbindung mit Vitamin C hemmt der sekundäre Pflanzenstoff auch die Oxidation von schlechtem LDL-Cholesterin. “Auf diese Weise kann sich Quercetin auf Nerven, Zellen und Blutgefäße positiv auswirken sowie das Risiko eines Herzinfarkts und Schlaganfalls beeinflussen. Tögel hebt eine weitere interessante Fähigkeit des Quercetins heraus: “Der sekundäre Pflanzeninhaltsstoff Quercetin ist auch ein natürliches Antihistamin. Es kann die übermäßige Ausschüttung von Histamin im Körper hemmen und wirkt dadurch antiallergen. “Histamin ist der Hauptverursacher für die Symptome und Beschwerden bei Atemwegsallergien wie Heuschnupfen und Asthma. Tögel: “Es empfiehlt sich, vor und während der Allergiesaison viel von diesen quercetinhältigen Obst- und Gemüsesorten zu konsumieren.“

BUNT IST GESUND
Aber trotz der neuen Forschungsergebnisse, die dem weißen Obst und Gemüse besonders gute Eigenschaften bestätigen, sollte man von andersfärbigen Obst- und Gemüsesorten nicht weniger essen. Tögel: “Je abwechslungsreicher wir diese “Kraftpakete“ aus dem Obst- und Gemüsegarten konsumieren, umso mehr profitiert unser Körper von der Vielfalt an gesundheitsfördernden Pflanzenstoffen.“ Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) unterstreicht, dass Gemüse und Obst das Risiko für Bluthochdruck, koronare Herzkrankheiten und Schlaganfall senken. Deshalb unterstützt die DGE die Aktion “Fünf am Tag“. Ziel ist es, den Gemüse- und Obstverzehr auf mindestens 650 g pro Tag zu steigern. Das entspricht fünf Portionen zu je 125 g oder etwa fünf Mal eine Hand voll. Beherzigen Sie also das einfache Gesundheitsrezept und essen Sie nach dem “Ampelprinzip“ täglich eine Mischung aus rotem, gelbem, grünem – und weißem – Gemüse und Obst.

Lexikon: Flavonoide
Quercetin ist ein Flavonoid und zählt zur Untergruppe der Flavonole. Seinen Namen hat es von der Färber- Eiche (Quercus tinctoria), die früher mit verschiedenen anderen Pflanzen zum Gelbfärben verwendet wurde. Nachdem man die Inhaltsstoffe dieser Pflanzen mit dem gelben Farbstoff identifiziert hatte, nannte man diese Gruppe von Farbstoff en Flavone, nach dem lateinischen Wort flavus für Gelb. Als man erkannte, dass sehr viele Pflanzeninhaltsstoffe gleichartig aufgebaut waren, von denen aber eine Reihe andersfarbig oder farblos sind, nannte man die ganze Stoff gruppe Flavonoide.