Mahlzeit! Magazin 02-2016

Von Hasen, Eiern und anderen Ostertraditionen

28.04.2016

Hält das Fühjahr einzug, ist Ostern nicht mehr weit - und damit eine Zeit voll an alten Bräuchen und Ritualen.

Frühling liegt in der Luft – die Natur holt Schwung für eine neue Runde. Ihr jährliches Wiedererwachen veranlasste schon vor tausenden Jahren Menschen verschiedenster Kulturen zu ausgedehnten Festen. Im Mittelpunkt standen dabei stets die Fruchtbarkeit und die dafür zuständigen Gottheiten. Viele der alten Bräuche wurden für die Oster-Feierlichkeiten rund um Tod und Wiedergeburt Christi aufgegriffen und angepasst. Wobei die Bezeichnung Ostern daher rührt, dass die Sonne zu Frühlingsbeginn exakt in östlicher Himmelsrichtung (althochdeutsch ostar) aufgeht.

ASCHE, KÄTZCHEN UND PALMESEL
Ostern als wichtigstes christliches Fest nimmt bereits ab Aschermittwoch einen ordentlichen Anlauf: Hier endet die Faschings- und beginnt die Fastenzeit. Katholiken wird beim Gottesdienst ein kleines Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet, begleitet von den Worten „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“. Für die Asche werden die gesegneten Palmzweige des Vorjahres verbrannt. Richtig feierlich wird es am Palmsonntag, also dem Sonntag vor dem Osterfest. An diesem Tag feiern Christen den Einzug von Jesus in Jerusalem. Als „Friedenskönig“ soll er auf dem Rücken einer Eselin eingeritten sein, wobei ihm mit Palmzweigen gehuldigt wurde. Da Palmen in unseren Breiten Mangelware sind, behelfen wir uns traditionell mit „Palmkätzchen“ (Weidenkätzchen). Mancherorts tun’s auch Zweige des immergrünen Buchsbaums, wohl nicht ganz zufällig auch Segenbaum genannt. Die Zweige werden oft mit Wacholder, Stechpalme, Eibe und anderen Materialien zu Palmbuschen, Palmbesen oder Palmstöcken kombiniert, mit Weihwasser gesegnet und in kirchlichen Prozessionen als Zeichen des Lebens und des Sieges mitgetragen. Daheim wacht dann der geweihte Palmbuschen entweder vom Herrgottswinkel aus über das Haus und seine Bewohner, oder er wird auf das Dach geworfen, um vor Unglück zu schützen. Wer sich am Palmsonntag gerne ausschläft und deshalb als Letzter aus den Federn findet, darf nach alter Sitte als „Palmesel“ tituliert werden. Neben dem Palmbuschen gibt es noch den Osterstrauch, der weniger religiös, dafür sehr dekorativ in seiner Vase steht. Dafür werden vor allem leuchtend gelbe Forsythienzweige mit bunten Bändern, österlichen Figuren und Anhängern sowie ausgeblasenen, schön bemalten Eiern geschmückt.

DER GRÜNE DONNERSTAG
Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Das „Kar“ kommt vom Althochdeutschen „kara“ und bedeutet Kummer, Klage, Trauer. Am Gründonnerstag wird des letzten Abendmahles Jesu mit seinen Aposteln gedacht. Das Grün jenes Kartages könnte seine Wurzeln im althochdeutschen „greinen“, also weinen, haben. Oder aus einem Brauch, der seit dem 14. Jahrhundert bezeugt ist. Denn: Was die Essgewohnheiten angeht, so bewiesen unsere Vorfahren einen guten Riecher, indem sie den ersten Kräutern des Jahres besondere Kräfte zuschrieben und frische, vitaminreiche Grünkost auftischten. So wollte man schon in vorchristlicher Zeit mit der grünen Kraft des Frühlings Gesundheitsvorsorge für das restliche Jahr betreiben. Im deutschen Sprachraum steht jedenfalls heute für die meisten fest: Am Gründonnerstag gedenkt man zwar nicht explizit der Erfindung des tiefgekühlten Cremespinates; gegessen wird dennoch etwas Grünes – in Österreich vor allem Spinat mit Spiegelei (siehe Rezepte ab S. 32).

RATSCHEN STATT GLOCKEN
Zum Zeichen der Trauer verstummen am Gründonnerstag alle Glocken in katholischen Kirchen. Sie „fliegen nach Rom“ heißt es. Von dort holen sie sich den päpstlichen Segen und kehren mit der Osterbotschaft und ein paar Ostereiern zurück. Statt der Glocken rufen unterdessen die Ratschen zu den Gottesdiensten. Sie erinnern an die hölzernen Klappern, mit denen zu Pestzeiten vor dem Schwarzen Tod gewarnt wurde. Im Lärm der Ratschen rufen die „Ratschenbuben“ unter anderem den Spruch: „Wir ratschen, wir ratschen den englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss.“

KULINARISCHE VORBEREITUNGEN
Der Karfreitag steht im Zeichen des Leidens und Sterbens Jesu am Kreuz. Manche Gläubige begehen einen Kreuzweg oder nehmen an Karfreitagsprozessionen mit Kreuzverehrung teil. An diesem strengen Fasttag leuchtet in den Kirchen kein ewiges Licht und die Altäre sind verhüllt. Am Karsamstag schließlich wird – nach kirchlichem Ritus – der Grabesruhe Christi gedacht und seiner Auferstehung geharrt. Nach wie vor wird gefastet, Glocken und Orgeln schweigen. Doch in vielen Haushalten laufen bereits die Vorbereitungen für die üppige, fröhliche Osterfeier am Ostersonntag. Körbe werden gefüllt mit fleischlichen Genüssen wie gekochtem Selchschinken, Würsten, Zungen oder kaltem Schweinsbraten. Dazu kommen Kren, bunte Ostereier und – ganz wichtig – das Osterbrot. Dieses besondere Ostergebäck aus Germteig kann, je nach Region, ganz unterschiedlich aussehen und schmecken (siehe Rezepte ab S. 38). Vielerorts wird es als süße Osterpinze, mitunter in Taubenform angeboten. In Kärnten und der Steiermark hingegen ist eine eher pikante, mit Anis gewürzte Variation unverzichtbar. In Tirol setzt man auf das „Fochazbrot“, für dessen Zubereitung auch Weißwein, Schnaps, Zimt und Nelken im Germteig verarbeitet werden. In Kärnten darf außerdem der Reindling in keinem Osterkorb fehlen, ein mitunter picksüßer Germteigkuchen, gefüllt mit Zimt, Rosinen und Butter, gebacken in einer Form, dem Reindl, das meist mit christlichen Symbolen verziert ist. Zu den Fixstartern unter den österlichen Süßspeisen zählt auch das Osterlamm, ein Rührteigkuchen, der in einer Lamm-Form gebacken wird. Das Osterlamm geht zurück auf den jüdischen Brauch des Opferlamms. Für Christen symbolisiert das verletzliche, unschuldige Lämmchen niemand anderen als Jesus Christus selbst. Er wird noch heute als Lamm Gottes bezeichnet.

Historische Eier-Bräuche
Zu Ostern dreht sich alles um Eier (siehe dazu auch die zehn Gründe für SPAR-Eier ab S. 58). Nichts anderes hat mehr Symbolkraft, wenn es um die Entstehung neuen Lebens geht. Denn sowohl die Eier, aber auch der (Oster-)Hase gelten als Symbole der Fruchtbarkeit. Der Brauch, Eier zu verzieren und einzufärben, ist weitaus älter als alles Christliche. Im Süden Afrikas etwa wurden 60.000 Jahre alte, dekorierte Straußeneier gefunden.

ROT WIE DER ZINS
Die häufigste und beliebteste Farbe für Eier ist wohl auch heute noch Rot, so wie bei den frühen Christen Mesopotamiens, die damit an das Blut Jesu erinnerten. Vom Osterei wird aber erst ab dem 14. Jahrhundert gesprochen. Gemeint war damals das an den Gutsherrn abzuliefernde Zinsei. Der Ostertermin war der Fastenzeit geschuldet, in der sich ein Eier-Überschuss aufbaute. Um die Eier haltbarer zu machen, wurden sie gekocht. Anschließend färbte man sie mit roten Rüben. So ließen sie sich leichter von rohen Kollegen unterscheiden. Aus dem Zinsei wurde bald das Schenkei, das vor allem im kirchlichen Umfeld gerne ans Personal, an Bedürftige sowie an Kinder weitergegeben wurde. Als Geld die Naturalien ablöste, wandelte sich das Schenkei zum heutigen Osterei.

EI BESCHÜTZ MICH!
Gründonnerstags oder karfreitags gelegten Eiern, sogenannten „Antlasseiern“, schreibt man noch heute magische Kräfte zu. Anstatt irgendwann zu faulen, sollen sie nur eintrocknen – ein Volksglaube, der sich bis heute gehalten hat. Stattdessen verbreiten diese heilkräftigen Eier ihren Schutzzauber in Autohandschuhfächern, vergraben auf Bauernhöfen, Äckern und Wiesen oder eingezimmert, wahlweise in Hausdächern oder Türschwellen. Neben der Haustür eingegraben hält es Einbrecher fern, übers Haus geworfen, den Blitz.

GEWEIHTE DELIKATESSEN
Am frühen Nachmittag pilgern Jung und Alt samt mit Palmkätzchen dekoriertem Osterkorb zur Fleischweihe in die Kirchen. Am Ostersonntag dann kommen die Spezereien auf den Tisch, die geweiht und nach den Fastentagen gleich noch einmal so gut schmecken. Für Wettkampfstimmung sorgt dabei das Eierpecken: Zwei Kontrahenten nehmen jeweils ein Osterei in die Hand und schlagen diese mit den Spitzen gegeneinander. Sieger ist, wessen Ei ganz bleibt bzw. weniger angeschlagen ist. Nach dem Festmahl können es die Kinder meist nicht mehr erwarten, endlich ihre Osternester zu suchen, die der Osterhase für sie versteckt hat. In vielen Gegenden geben Eltern die Nester schon am Morgen des Ostersonntags zur Suche und Plünderung frei. Wohl auch, damit die Kinder beschäftigt sind, während die Vorbereitungen für den üppigen Osterschmaus (siehe Ostermenü ab S. 26) laufen, der zu Mittag auf den Tisch kommt und im Kreis der Familie gemeinsam genossen wird.

FEURIGE BRÄUCHE
Am Abend des Karsamstags werden schließlich im ganzen Land die Osterfeuer entzündet, die auf die Frühlingsfeuer der Germanen zurückgehen. Kinder und Jugendliche schaffen dafür oft tage- und wochenlang Holz heran. Der Spott gilt jenen, deren Haufen schlecht bewacht von der Dorfjugend der Nachbargemeinde frühzeitig abgefackelt wird. Begleitet werden die Osterfeuer vor allem im südlichen Österreich vom Krachen der Osterböller oder dem Osterschießen. Das soll nicht nur böse Geister vertreiben, sondern vor allem den Sieg Christi über den Tod verkünden. Die kirchliche Osterfeier beginnt erst mit dem Auferstehungsgottesdienst nach Sonnenuntergang. Geweiht und entzündet wird die Osterkerze, eine große, verzierte Kerze aus wohlriechendem, gebleichtem Bienenwachs. Neben einem roten Kreuz trägt sie auch die griechischen Buchstaben Alpha und Omega als Symbole für den Anfang und das Ende. An ihr werden die Osterkerzen der Mitfeiernden entzündet, damit diese das Licht Gottes nach Hause tragen können. Zur Auferstehungsfeier ertönen dann auch Orgeln und Glocken wieder.

NATÜRLICH BUNT GEFÄRBT TIPP!
Wem Lebensmittelfarben zu grell sind, der kann Eier auch – ganz natürlich – mit der Kraft der Pflanzen färben. Dazu farbgebende Pflanzenteile zerkleinern und etwa 30 bis 60 Minuten kochen. Die Eier, am besten weißschalige Bio-Eier, gründlich mit Essigwasser reinigen und hart kochen. Nach dem Abschrecken für fünf bis zehn Stunden im abgekühlten, gefilterten Pflanzensud ruhen lassen. Mit Malventee werden die Eier rot, Zwiebelschalen ergeben gelb-orange Farbtöne, Karottensaft, Safran und Kamillenblüten färben gelblich, Rotkraut und Heidelbeeren sorgen für blaue Eier, und Efeublätter sowie Petersilie für grüne.