5 Fragen an den Kärntner Reindling

17.03.2014

1) Woher kommt dein Name?
 Ich wurde ursprünglich in einem runden, bäuerlichen Reindl, das ist eine flache Kasserolle, gebacken. Damit war nicht nur mein Name, sondern auch mein Aussehen festgelegt: Die Reindlingformen waren meist aus Ton und hatt en in der Mitt e oft nur einen kurzen Zapfen. Deshalb habe ich traditionell in der Mitt e höchstens eine Ausbuchtung, aber niemals ein Loch – auch wenn man mich heute aus optischen Gründen gern in eine Gugelhupff orm rollt.

2) Wann kamst du auf die Welt?
Meine Entstehung geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Meine Ahnen, die kleinen Pogatschen aus Germteig, die im Karpatenbecken, auf dem Balkan und in der Türkei daheim waren, wurden mit Käse, Kartoffeln oder Grammeln gefüllt. Auf der Suche nach einer Süßspeise für besondere Anlässe befüllten die Kärntner Bauern sie stattdessen mit Rosinen und Zimtzucker – ich war geboren. Heute gibt es mich allerdings in vielen verschiedenen Varianten, mit Äpfeln, mit Vanillezucker, mit Honig, mit Nüssen oder mit Dörrobst.

3) Wann kommst du auf den Tisch?
Im Laufe der Jahre entwickelte ich mich zu einer traditionellen Süßspeise, die praktisch das ganze Jahr über Saison hat. An Festtagen werde ich als traditionelle Osterspeise ebenso geliebt wie zu Weihnachten, wo ich mit einer Kletzenfülle sogar das Kletzenbrot ersetzen kann. Als „Gotenreindling“ gibt’s mich als Patenspende zu Allerheiligen, als „Wanderreindling“ zu Lichtmess am 2. Februar, und mit bunten Bändern verziert werde ich als „Rosentaler Hochzeitsreindling“ sehr gern zu Hochzeiten serviert. In der Alltagsküche werde ich zum Frühstück mit Marmelade oder Honig bestrichen oder als Sonntagsgugelhupf zum Häferlkaffee genossen.

4) Wie wirst du zu Ostern serviert?
Da gibt es einen ganz besonderen Brauch: das „Weichfleischessn“, wobei Weich mittelhochdeutsch für Weihe ist. Diese traditionelle Osterjause zum Abschluss der 40-tägigen Fastenzeit besteht aus dem Osterschinken, Würsten, Kren, gefärbten Eiern und mir! Doch bevor wir im Kreis der Familie gegessen werden, trägt man uns in einem geschmückten Korb zur Weihe in die Kirche, wo ein Priester die Speisenweihe abhält. Und erst nach der Auferstehungsfeier werde ich dann zu Hause als „Weichnreindling“ gemeinsam mit Ostereiern, Osterschinken, Kren und Hauswürsten zur Osterjause serviert.

5) Hast du Geschwister, wo leben sie?
Meine Brüder leben in Ostt irol, im Südburgenland und in der Steiermark und werden – je nach Region – „Schober“, „Leberle“, „Woazan“ oder „Schmälzer“ gerufen. In Slowenien lebt meine süße Schwester, die „Pogača“, im benachbarten Friaul gibt’s die „Gubana“. 

Rezepte für den Kärntner Reindling auf www.mahlzeit-rezeptwelt.at