Zurück in die Zukunft

12.03.2013

Seltene Gemüse- und Obstsorten aus der Region, die früher gern gegessen wurden, aber aus den Supermärkten verschwunden sind, werden durch Kooperationen mit SPAR reaktiviert und finden so wieder ihren Weg auf die Teller.

Sie kennen die “Rote Wiener“-Küchenzwiebel, den “Blauen Speck“-Kohlrabi oder die “Ochsenherz“-Fleischtomate nur aus den Erzählungen Ihrer Eltern oder Großeltern? Eigentlich schade. Zahlreiche Nutzpflanzen, die einst für eine bunte Palette bei Tisch sorgten, drohen heute in Vergessenheit zu geraten. Der Artenverlust zieht sich wie ein roter Faden durch die Äcker, Felder und Plantagen unseres Planeten.

Waren die Speisekammern unserer Großeltern noch mit runzeligen Mostäpfeln gefüllt, einem typischen Haushaltsapfel zum Einmachen, Backen und Entsaften, findet heutzutage nur mehr form-vollendetes, süßes Tafelobst mit glatter Schale seinen Weg in unsere Obstschüsseln.

Ein Umstand, der vor allem aus gesundheitlicher Sicht zu bedauern ist, wie Anti-Aging-Experte Markus Metka betont: “Die alten Apfelsorten etwa zeichneten sich aus gutem Grund durch einen säuerlichen Geschmack aus. Er war ein wichtiger natürlicher Abwehrmechanismus im Kampf gegen Parasiten.“ Denn, so der Experte weiter: “Süße lockt Schädlinge an, Saures meiden sie.“ Das heißt: Da Pestizide damals kaum zum Einsatz kamen, mussten Obst und Gemüse zwangsläufig eine Artillerie an Abwehrstoffen wie etwa den säuerlichen Geschmack entwickeln. Metka: “Studien bestätigen, dass diese sekundären Pflanzeninhaltsstoffe nicht nur der Pflanze zum Eigenschutz und somit zum Anti-Aging dienen, sondern auch genau deshalb für unseren Organismus besonders wertvoll sind.“

Einkaufen wie zu Großmutters Zeiten
Vor rund 70 Jahren gab es den Begriff Anti-Aging noch nicht. Dennoch wurde bewusster gegessen als es der Mensch des Anti-Aging-Zeitalters tut. “In vergangenen Zeiten wanderte viel seltener Fleisch auf die Teller und die Speisen haben weniger Salz beinhaltet. Fleisch war etwas Besonderes. Ich kann mich noch gut an das Highlight der Woche, den Sonntagsbraten, erinnern“, erzählt Metka aus seiner eigenen Kindheit.

Diese Einstellung änderte sich schlagartig mit der Industrialisierung der Landwirtschaft und den damit einhergehenden industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln. Die Industrialisierung der Landwirtschaft brachte den Einsatz von Kunstdünger und chemischen Pflanzenschutzmitteln sowie die Ertragsorientierung, sorgte für ausgelaugte Böden und hinterließ auch bei der Arten- und Sortenvielfalt von Gemüse und Obst ihre Spuren. “Von den unzähligen kultivierten Pflanzen, die es weltweit gibt, verwenden wir nur wenige fürs tägliche Essen“, erklärt Beate Koller, Geschäftsführerin von ARCHE NOAH, einer Organisation, die sich seit über 20 Jahren für die Erhaltung, Verbreitung und Entwicklung der Kulturpflanzenvielfalt einsetzt.

Ökologisch kleiner Fußabdruck
Dass mit dem Verlust der Vielfalt auch ein Verlust an wertvollen Inhaltsstoffen und gutem Geschmack verloren geht, scheint heute wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken. Viele Menschen besinnen sich auf die “gute alte Zeit“ zurück – nicht nur in Bezug auf Werte, sondern auch in Bezug auf ihre Ernährung. Nach dem Motto
“Zurück zu den Wurzeln“ werden ursprüngliche, unverfälschte und vor allem auch regionale Lebensmittel wieder vermehrt herbeigesehnt, wie Metka feststellt: “Erdbeeren aus Israel, Äpfel aus Italien?

Der moderne, umweltbewusste Konsument denkt immer öfter über die Sinnhaftigkeit eines weiten Transports nach, über die dadurch verursachten Klimabelastungen. Immer öfter greift er stattdessen zu saisonalen Produkten, die aus der Region stammen.“ Aber nicht nur aus ökologischer und gesundheitlicher Sicht, sondern auch aus kulinarischer Perspektive haben traditionelle Gemüse- und Obstsorten jede Menge zu bieten und bereichern die moderne Küche. Ob “Gelbe Johannisbeere“, “Goldita“, “Schneewittchen“ oder “Rosenquarz“  – wer schon einmal die Tomaten aus den Gärten des burgenländischen “Paradeiser-Kaisers“ probiert hat, weiß, dass die Früchte, die in den Mund der Generation vor uns wanderten, mit Geschmacksintensität und Vielfalt punkten konnten.

Comeback der vielfalt
All diesen Bedürfnissen nach unverfälschtem Geschmack, Regionalität und Artenvielfalt kommt SPAR gemeinsam mit Kooperationspartnern wie ARCHE NOAH, Erich Stekovics und der Ökoregion Kain-dorf entgegen. “Viele alte Sorten sind aus dem Lebensmitteleinzelhandel verschwunden, weil sie den modernen Anforderungen wie Transport- oder Lagerfähigkeit nicht gerecht werden konnten. Wir freuen uns über die Initiative von SPAR für die Artenvielfalt, und dass daran gearbeitet wird, den Konsumenten alte Gemüse- und Obstsorten wieder anzubieten“, sagt Koller. “Denn so paradox es auch klingen mag: Gegessen zu werden ist eine der ganz wenigen Überlebenschancen für Nutzpflanzen, die vom Aussterben bedroht sind.“

Alle SPAR wie früher-Produkte, angefangen vom Bio-Saatgut bis hin zu den Stekovics-Tomaten, stehen in einem besonderen Naheverhältnis mit dem Ort des Wachsens, mit den Bauern und den Menschen dieser Region. Ein weiteres erfolgreiches Beispiel dafür ist die Ökoregion Kaindorf. Was unsere Großeltern noch ganz selbstverständlich gemacht haben, nämlich Gemüse und Obst auf nährstoffhaltigem Boden zu pflanzen und auf Pestizide zu verzichten, wird in der Ökoregion Kaindorf heute wieder praktiziert. Der Boden wird mittels Humusaufbau bewirtschaftet. Humus speichert viel Kohlenstoff im Boden und entlastet damit die Atmosphäre vom treibhauswirksamen CO2.