“Wir müssen rasch handeln!“

12.03.2013

WWF und SPAR arbeiten gemeinsam daran, den Klimawandel zu bekämpfen und die Überfischung der Meere zu stoppen. WWF-Geschäftsführer Gerald Steindlegger zieht eine erste Bilanz.

Der WWF ist eine der größten und profiliertesten Umweltschutzorganisationen der Welt, deren Hauptanliegen es ist, der weltweiten Naturzerstörung Einhalt zu gebieten. Im Interview mit SPAR Mahlzeit! sagt Gerald Steindlegger, der seit August 2012 die Geschäftsführung des WWF Österreich innehat, warum ein “grüner Lebensstil“ immer dringender notwendig ist, was jeder Einzelne dazu beitragen kann und welche wesentliche Rolle SPAR dabei spielt.

SPAR Mahlzeit!: Herr Steindlegger, wie bewerten Sie den derzeitigen Zustand unserer Umwelt?

Gerald Steindlegger: Der WWF publiziert seit vielen Jahren den Living Planet Report, der Auskunft gibt über zwei wichtige Messdaten, den Living Planet Index und den Footprint Index. Ersterem zufolge haben wir seit 1970 rund ein Drittel der Biodiversität verloren, und laut zweiterem leben wir nicht mehr im Rahmen der Kapazität dieser Erde. Wir überschreiten die Bio-Kapazität, also das, was die Erde selbst wieder reproduzieren kann, in Österreich um das Vierfache. Beide Messdaten sind alarmierend. Wir leben dem- nach derzeit auf Kosten von Angespartem und auf Kosten nachfolgender Generationen.

SPAR Mahlzeit!: Was heißt
das im Klartext?
Gerald Steindlegger: Wir verlieren Wald in der Größenordnung von
ca. 13 Mio. Hektar pro Jahr. Das ist die Größe von Österreich und der Schweiz zusammen. Etwa 85 Prozent unserer weltweiten Gewässer, insbesondere der Meere, sind überfischt. Und wir befinden uns auf einem Pfad, der zu einer bedrohlichen Klimaerwärmung zwischen vier und fünf Grad führen wird.

SPAR Mahlzeit!: Was passiert, wenn wir nichts dagegen unternehmen?
Gerald Steindlegger: Diese Frage stellt sich nicht. Denn wir alle sind aufgefordert, dass sich etwas ändert.

SPAR Mahlzeit!: Anders gefragt: Was gewinnen wir, wenn wir etwas dagegen unternehmen?

Gerald Steindlegger: Gewinnen können wir, dass die Naturschönheiten, die Artenvielfalt und die Ressourcen auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben. Durch den langfristigen, sinnvollen, nachhaltigen und schonenden Umgang mit den Schätzen der Natur gewinnen wir Ernährungs- und Trinkwassersicherheit und können vermeiden, dass ganze Regionen unbewohnbar werden.

SPAR Mahlzeit!: Wie kämpft der WWF für die Erhaltung der Artenvielfalt und der Ressourcen? Gerald Steindlegger: Der WWF betreut Modellprojekte in über 100 Ländern der Welt. Wir versuchen möglichst lösungsorientiert zu arbeiten, und zwar sowohl mit der Politik, mit der Wirtschaft und auch mit der Zivilgesellschaft. Wir brauchen alle drei, um einen wirklichen Wertewandel zu erzielen.

SPAR Mahlzeit!: Weshalb sind Partner aus der Wirtschaft wichtig?
Gerald Steindlegger: Die Wirtschaft ist ein wesentlicher Multiplikator, denn über den Handel ist der Zugang zum Konsumenten möglich. Der WWF hat allein nicht die Kraft, so viele Konsumenten überzeugen zu können. Aber wir können mit einigen ausgesuchten, besonderen Unternehmen arbeiten und mit diesen gemeinsam Überzeugungsarbeit leisten. Eines dieser besonderen Unternehmen ist SPAR.

SPAR Mahlzeit!: Wie sieht die Kooperation mit SPAR aus?

Gerald Steindlegger: Mit SPAR haben wir gegenwärtig zwei spannende Projekte am Laufen. Als Mitglied der WWF CLIMATE GROUP, eines Zusammenschlusses von großen österreichischen Unter- nehmen, hat SPAR sich ein sehr starkes, sehr ambitioniertes Ziel gesetzt: SPAR will ihre CO2-Emissionen innerhalb von drei Jahren um 15 Prozent reduzieren. Das langfristige Ziel dahinter heißt: Wir wollen gemeinsam den Klimawandel verhindern. Und als zweites Ziel hat sich SPAR gesetzt, ihr gesamtes Fischsortiment bis Ende des Jahres auf nachhaltig umzustellen. Das bedeutet, dass man bei SPAR dann nur mehr MSC- und ASC- zertifizierten Fisch, heimischen und Bio-Fisch kaufen kann.

SPAR Mahlzeit!: Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit?

Gerald Steindlegger: Beide Projekte funktionieren sehr, sehr gut! Ich war vor kurzem in der SPAR-Zentrale in Salzburg und da habe ich deutlich gespürt, dass den SPAR-Mitarbeitern die Kooperation mit dem WWF nicht verordnet worden ist, sondern dass wirklich alle dahinterstehen. Mit so einer tollen, authentischen Einstellung können die Konsumenten hervorragend überzeugt werden.

SPAR Mahlzeit!: Was kann der Einzelne, der Konsument beitragen?
Gerald Steindlegger: Am wichtigsten ist, dass sich jeder Einzelne über den Wert der Dinge, die uns umgeben und die wir konsumieren, stärker bewusst wird. Wer hatte nicht Großeltern, die penibel darauf geachtet haben, die Fenster zu schließen, damit nicht nach draußen geheizt wird, oder die Essensreste nicht wegzuwerfen, sondern zu verwerten?

SPAR Mahlzeit!: Haben Sie ein paar konkrete Tipps parat?

Gerald Steindlegger: Wir können jeden Tag im täglichen Leben einen persönlichen Beitrag zum Umweltschutz leisten, indem wir entscheiden, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen. Beim Einkaufen etwa kann ich wählen, welche Produkte ich kaufe, wie viel ich kaufe, wo ich einkaufe. Greift man etwa zu regionalen und saisonalen Produkten, werden Transportwege verkürzt und die CO2-Emissionen reduziert sowie der Energie- und Wasserverbrauch für die Produktion der Nahrungsmittel eingeschränkt. Als ganz konkretes Beispiel bietet sich der Fischeinkauf an: Wählt man einen MSC-zertifizierten Fisch, steuert man der Überfischung entgegen. Wählt man einen heimischen Fisch, unterstützt man regionale Züchter damit und spart CO2-Emissionen, und wählt man einen Bio-Fisch, setzt man ein Zeichen gegen Gentechnik.

SPAR Mahlzeit!: Wie nachhaltig leben Sie selbst?
Gerald Steindlegger: Danke für die Frage. Ich bin froh, sagen zu können, dass mich das Thema Naturschutz von klein auf begleitet. Schließlich hat es mich zum Geschäftsführer des WWF Österreich gemacht. Also, ich lebe mit meiner Familie auf dem Land und beziehe den überwiegenden Teil meiner Ernährung aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Dann fahre ich kaum mehr mit dem Auto. Ich bin einer der wenigen Jahreskartenbesitzer des regionalen Postbusses. Und mein wichtigster Beitrag zum Umweltschutz: Ich gebe meine Einstellung meinen Kindern mit.

SPAR Mahlzeit!: Wie sehen Ihre weiteren Pläne beim WWF aus?
Gerald Steindlegger: Zum einen gilt es, die wertvolle Arbeit meiner Vorgängerin fortzusetzen. Mittelfristig möchte ich zeigen, dass auch ein kleines Land wie Österreich zum Thema Natur-, Umwelt- und Ressourcenschutz Initiativen setzen kann, die globale Bedeutung haben. Dass wir nicht auf Lösungen warten sollen, die

aus den großen Ländern wie Amerika oder China kommen, sondern dass wir mit guten Ideen und Visionen einen signifikanten Beitrag liefern können. Und ganz langfristig ist das Ziel eine nachhaltige Zukunft, in der unsere Erde den WWF nicht mehr braucht.

SPAR Mahlzeit!: Danke für das Gespräch.