Fairer Kaffeegenuss

12.03.2013

Seit 2004 wird in der oberösterreichischen Rösterei REGIO in Marchtrenk FAIRTRADE Bio-Kaffee für SPAR geröstet. Grund genug, eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Kaffee gehört nach Erdöl zu den wichtigsten Welthandelsgütern. Für einen Großteil der 25 Millionen Kaffee-Bauern ist er jedoch ein sehr arbeitsintensives Produkt, das viel Aufmerksamkeit erfordert, auf der anderen Seite aber nur wenig Gewinn einbringt. Die meisten Bauernfamilien, die von der Kaffeeproduktion leben, sind in Entwicklungsländern zu Hause. Um deren Armut zu bekämpfen ist eine gerechte Entlohnung unabhängig von den Preisschwankungen der Weltmarktpreise unabdingbar. Ein garantierter Mindestpreis ist nur einer der vielen Gründe, warum SPAR seit Jahren FAIRTRADE-Produkte fördert. SPAR Mahlzeit! ging der Idee des fairen Handels auf den Grund und traf FAIRTRADE-Geschäftsführer Hartwig Kirner und REGIO-Chef Josef Adam zum Doppel-Interview. 

SPAR Mahlzeit!: Warum ist die Zusammenarbeit mit FAIRTRADE sinnvoll?
Josef Adam: Kaffee, Kakao, Tee und Bananen sowie viele andere Produkte aus Afrika, Asien oder Lateinamerika gehören wie selbstverständlich zu unserem täglichen Leben. Daher muss es auch selbstverständlich sein, dass die Bauern, die uns diese Produkte liefern, menschenwürdige Arbeitsbedingungen vorfinden und fair entlohnt werden. Das können FAIRTRADE-Produkte bieten.

SPAR Mahlzeit!: Woher kommen die Kaffeebohnen für den SPAR Natur*pur Bio-Kaffee?
Adam: Die Hochlandbohnen für unseren Bio-Kaffee kommen aus Zentral- und Südamerika, genauer gesagt aus Mexiko, Honduras, Costa Rica, Nicaragua und Peru. Da hat der Konsument eine sichere Qualitätsgarantie, denn in den unwegsamen Hochlandgebieten ist es nicht möglich, industrialisierten Kaffeeanbau  zu betreiben.  Hartwig Kirner: In diesen Ländern gibt es viele Bauern, die nur wenige Hektar Fläche bewirtschaften können. Deshalb sehen wir auch genau da den primären Förderbedarf: FAIRTRADE unterstützt kleinstrukturierte Bauern, Kooperationspartner zu werden.

SPAR Mahlzeit!: Wie wird ein Bauer FAIRTRADE-Kooperationspartner?
Kirner: Ein einzelner Bauer kann dem FAIRTRADE-System nicht beitreten, er muss sich einer Genossen­schaft anschließen oder selbst eine gründen. Wir zertifizieren dann diese Kooperativen, die gewisse Mindeststandards erfüllen müssen. So können sich die Bauern in einem von FAIRTRADE geschützten und kontrollierten Rahmen gegen­seitig helfen und sich gegen Ausbeutung durch Zwischenhändler schützen. Adam: Ein weiterer wichtiger Grund ist auch, dass ein einzelner Bauer nicht genug Ertrag hat für die steigende Nachfrage von FAIRTRADE-Kaffee. Außerdem lassen sich in einer Genossenschaft leichter Geräte anschaffen, die dann gemeinsam benützt werden. Das hilft den Bauern, in Zukunft selbstständiger und unabhängiger  zu werden. Kirner: Genau das ist der Grund­gedanke von FAIRTRADE: Diese Genossenschaften sind eines der zentralsten Instrumente, wie man  die Situation der Bauern in den Entwicklungsländern nachhaltig verbessern kann.

SPAR Mahlzeit!: Was sind die Mindeststandards in einer  Kooperative?
Kirner: Bei FAIRTRADE-Kaffee gibt es nur Kleinbauern-Standards und keine Plantagen-Standards wie etwa für Bananen oder Tee. Die wichtigste Regel, an die sich die Bauern in den Kooperativen halten müssen, ist das Verbot von ausbeuterischer Kinder- und Zwangsarbeit. Weiters müssen sie Wassermanagement betreiben, dürfen bestimmte Spritzmittel nicht einsetzen, für ihre Anbaufläche keinen Primärregenwald abholzen und auch kein gentechnisch ver­ändertes Saatgut verwenden. Wichtig ist außerdem, dass die Strukturen innerhalb der Kooperative demokratisch organisiert sind und jeder das gleiche Mitspracherecht hat.

SPAR Mahlzeit!: Wer kontrolliert die Umsetzung dieser Standards?
Kirner: Mehr als 130 Auditoren der unabhängigen Zertifizierungsstelle FLO CERT sind vor Ort und überprüfen die Einhaltung der FAIRTRADE-Standards bei den Produzentenorganisationen.

SPAR Mahlzeit!: Wie funktioniert die Garantie von Mindestpreisen?
Kirner: FAIRTRADE-Kaffee wird nicht an der Börse gehandelt, sondern nur über direkte Absatzkanäle. Es wird die gesamte Lieferkette, jeder Importeur, jeder Verarbeiter – wie REGIO etwa – zertifiziert. Bei Kaffee ist dadurch die Rückverfolgbarkeit bis in die Kooperative gewährleistet. Die Bauern bekommen für den Kaffee einen garantierten Mindestpreis sowie zusätzlich eine Prämie für Investi­tionen in Sozialprojekte oder Produktionsanlagen. Außerdem gibt es Zuschläge für Bio-Produktion.  Adam: Das macht unseren FAIRTRADE-Kaffee so überaus wertvoll: Neben den sozialen und ökologischen FAIRTRADE-Standards wird SPAR Natur*pur Bio-Kaffee in kontrolliert biologischer Qualität produziert. Die FAIRTRADE-Bio-Kaffeebohnen sind in der allerhöchsten Qualitätskategorie, sie werden händisch und selektiv geerntet, das heißt, nur die reifen Kaffeekirschen werden gepflückt.

SPAR Mahlzeit!: Ihre Prognose für die zukünftige FAIRTRADE- Entwicklung?
Kirner: Wir beobachten, dass das Bewusstsein der Menschen für hohe Qualität, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit in den letzten Jahren zugenommen hat. Die Konsumenten greifen immer öfter zu fair gehandelten Produkten und sind auch gern bereit, dafür ein wenig mehr zu bezahlen. Die große Herausforderung wird sein, die Anbauflächen der Kooperativen zu vermehren, dabei aber die hohe Qualität beizubehalten.

SPAR Mahlzeit!: Wie kommt der typisch österreichische Geschmack zustande, für den REGIO steht? 
Adam: Der typisch österreichische Geschmack entsteht durch ein spezielles Röstprofil. Die Röstung hat ein ausgewogenes Verhältnis zwischen feiner Säure, etwas breiterem Geschmack – mollig sagen die Österreicher dazu – und einer leichten Würze. Unser Bio-Kaffee ist eine Mischung, das heißt, wir brauchen Kaffeesorten mit feiner Säure, welche, die Kraft bringen, und solche, die Würze haben. Unsere Herausforderung ist es, jene Bohnen herauszuschmecken, die die beste Qualität bieten, diese dann richtig zu mischen und das passende Röstprofil zu erstellen. Dazu ist ein extrem feiner Gaumen nötig und das Verkos­ten von tausenden Tassen pro Jahr.

SPAR Mahlzeit!: Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit REGIO und SPAR?
Kirner: SPAR hat durch die lang­jährige Partnerschaft mitgeholfen, FAIRTRADE-Produkte im österreichischen Handel als fairen Standard zu etablieren. Als engagierter Partner hat SPAR als erstes österreichisches Handelsunternehmen nicht nur Bio-FAIRTRADE-Bananen ins Sortiment aufgenommen, SPAR setzt auch auf das breiteste FAIRTRADE-Kaffeesortiment aller österreichischen Supermärkte. Dadurch werden viele Konsumenten erreicht, die die soziale Idee von FAIRTRADE mit unterstützen. Deswegen ist es wichtig, mit SPAR hier weiterzugehen.

SPAR Mahlzeit!: Vielen Dank für das Gespräch.