Bio-Honig sichert die Pflanzen- & Tiervielfalt

23.01.2014

Die Imkermeister Stefan Mandl und Martin Oliva, die für SPAR köstlichen Bio-Honig produzieren, kämpfen mit ihrem Bienenhof gegen das Bienensterben an. Zum Schutz von Honigbienen ist seit 1. Dezember 2013 der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln aus der umstrittenen Pestizid-Gruppe der Neonikotinoide in der Europäischen Union weitgehend verboten. Das soll mithelfen, dass sich die Anzahl dieser fleißigen Tierchen wieder erhöht. Die beiden Imkermeister Stefan Mandl und Martin Oliva vom Bienenhof Mandl Oliva (www.beelocal.at), auf dem der Niederösterreichische SPAR Natur*pur Bio-Kräuterhonig sowie der Wiener Bio-Blütenhonig produziert werden, erklären im Interview, wie jeder Einzelne mithelfen kann, das Bienensterben einzudämmen, und beschreiben, wie sie ihre Großimkerei zum Wohl der Umwelt und zum Nutzen für die Menschen aufbauen.

SPAR Mahlzeit!: Wie schlimm sieht es mit dem Bienensterben aus?
Stefan Mandl: In den letzten 60 Jahren hat sich weltweit die Zahl der Bienenvölker halbiert. In Teilen von Ostösterreich etwa gibt es bereits zu wenige Bienen, um die Bestäubung aller Pflanzen zu sichern. Jedes Jahr gehen über den Winter bis zu 30 % der Bienenvölker ein. Martin Oliva: Ein so vehementer Rückgang der Hauptbestäuber in unserem Ökosystem hat nicht nur wesentlichen Einfluss auf die Tier und Pflanzenwelt, sondern auch auf den Menschen.

SPAR Mahlzeit!: Wer ist schuld am Bienensterben?
Stefan Mandl: Es sind viele Faktoren, die der Biene das Überleben schwermachen: Krankheiten, die Varroa- Milben, falsche Tierhaltung, zu viele Pestizide. Pauschalverurteilungen sind aber sicher falsch.

SPAR Mahlzeit!: Was kann getan werden, um den weiteren Rückgang der Bienenvölker aufzuhalten?
Oliva: Ein wichtiger und richtiger Schritt ist, dass der Einsatz der speziell für die Bienen gefährlichen Pflanzenschutzmittel von der EU untersagt wurde.
Mandl: Vonseiten der Landwirtschaft wäre eine Reduktion von Monokulturen noch ein wichtiger Schritt. Diese sind für Bienen oft problematisch, weil die Felder außerhalb der kurzen Blüte keine Bienennahrung mehr bieten. Es kommt dann zu Mangelernährung der fleißigen Tierchen, wodurch sie anfälliger für Krankheiten werden.
Oliva: Zusammen mit den Gegenmaßnahmen durch die Imkereien können wir das Bienensterben hoff entlich eindämmen.

SPAR Mahlzeit!: Wie sehen Ihre konkreten Maßnahmen aus?
Oliva: Wir setzen uns intensiv mit der Prävention von Bienenkrankheiten auseinander. Damit können wir die Verluste zumindest in unserem Betrieb gut im Griff behalten und von Jahr zu Jahr wachsen.
Mandl: Aber auch wir haben noch Gebiete, aus denen viele Bienen nach wenigen Tagen nicht mehr zurückkommen. Von dort müssen wir abwandern und neue Standplätze für die Bienen suchen.
Oliva: Sehr ermutigend ist auch, dass es nach Jahren der Stagnation heute wieder viele Neuanfänger in der Imkerei gibt. Sie alle tragen dazu bei, die Bienenvölker zu vermehren und dadurch die Bestäubungsleistung sicherzustellen.

SPAR Mahlzeit!: Wie wichtig sind die Bienen für uns Menschen – abgesehen vom wohlschmeckenden Honig?
Oliva: Rund zwei Drittel unserer Nahrungsmittel sind direkt oder indirekt von der Pflanzenbestäubung durch Bienen abhängig und wären andernfalls gar nicht oder nur in geringerer Menge und Qualität vorhanden.
Mandl: Konkret heißt das, allein die Honigbiene ist für die Bestäubung von rund einem Drittel der vom Menschen direkt verzehrten Lebensmittel verantwortlich. Indirekt profitiert der Mensch noch mehr: Wichtige Futterpflanzen unserer Nutztiere werden durch Bienen bestäubt. Man denke nur an die Kräuter im Heufutter für die Kühe. Daher ist die Biene – hinter Rind und Schwein – bereits das dritt wichtigste Nutztier in der Landwirtschaft. 

SPAR Mahlzeit!: Können auch Bürger und Konsumenten aktiv etwas gegen das Bienensterben tun?
Mandl: Ja, sogar sehr viel! Jeder, der in seinem Garten bienenfreundliche Pfl anzen setzt und auf Pestizide verzichtet, hilft bereits mit. Unterstützer, die es erlauben, auf ihren Grundstücken Bienenstände zu errichten, sind ebenfalls sehr wichtig. Und Konsumenten können mithelfen, indem sie österreichischen Honig aus Bio-Landwirtschaft bevorzugen.

SPAR Mahlzeit!: Können Sie das bitte näher erläutern?
Mandl: Je höher die Nachfrage nach heimischem Bio-Produkten aus nachhaltiger Landwirtschaft ist, desto besser können Bienenvölker überleben, und desto weniger chemische Schädlingsbekämpfungsmittel kommen zum Einsatz. Dadurch werden die Bienen geschont und die Bestäubungsleistung sowie die Artenvielfalt sichergestellt.
Oliva: Darüber hinaus tut der Konsument der Umwelt Gutes, weil durch den Kauf von inländischem Bio- Honig lange Transportwege, die beim Import von Ländern wie Südamerika oder Asien anfallen, vermieden werden. Zudem bleibt die Wertschöpfung im Land.
Mandl: Einen wesentlichen Beitrag kann auch der Lebensmittelhandel beitragen, indem er den regionalen, biologisch erzeugten Honig nicht anonymisiert und ihn lediglich in Honig aus EU- bzw. Nicht-EU-Ländern aufteilt. Wir sind SPAR dankbar, dass unser Honig unter der Bio-Marke SPAR Natur*pur eindeutig als österreichisch gekennzeichnet ist. Dadurch wird Transparenz und Sicherheit garantiert, denn der Konsument sieht auf den ersten Blick, welche Ware er einkauft.

SPAR Mahlzeit!: Haben Sie einen Lieblingshonig?
Oliva: Ich habe unseren „Stadthonig“, der bei SPAR als SPAR Wiener Natur*pur Bio-Blütenhonig erhältlich ist, sehr gerne. Bei diesem Mischhonig schmeckt man die Linden von den Alleebäumen gut durch. Wien ist ein sehr gutes Bienentrachtgebiet, weil kontinuierlich Blüten vorhanden sind. Außerdem gibt es in der Stadt praktisch keinen Pestizideinsatz.
Mandl: Ich bevorzuge unseren Bio-Kräuterhonig. Da werden alle Honige aus unseren Gebieten, die im gleichen Zeitraum entnommen wurden, gemeinsam geschleudert. Wir lassen unseren Bio-Kräuterhonig auch extern von anerkannten Untersuchungslabors untersuchen und können daher sagen, dass Pflanzenbestandteile von mehr als 40 verschiedenen Kräuterarten wie etwa Schafgarbe, Walderdbeere, Mistel, Kornblume und Spitzwegerich nachgewiesen sind. Das ist einzigartig in Österreich.

SPAR Mahlzeit!: Herzlichen Dank für das Gespräch.