Einkaufen leicht gemacht

24.01.2013

In Linz-Froschberg gibt es einen ganz besonderen SPAR-Markt: Österreichs ersten und einzigen Supermarkt, in dem barrierefrei eingekauft werden kann.

Könnten Sie mir bitte sagen, wo der Eingang ist?“, „Entschuldigung, ich habe Sie nicht richtig verstanden?“ – nicht alle Menschen tun sich beim täglichen Einkauf von Lebensmitteln leicht. Sie sind dabei auf die Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft ihrer Mitmenschen angewiesen. Grund genug für SPAR, ein weithin sichtbares Zeichen für Gleichstellung und Integration zu setzen: In Linz-Froschberg wurde im Herbst 2012 Österreichs erster und einziger barrierefreier Klimaschutz-Markt eröffnet. Neben einer Reihe von umwelt-, energie- und ressourcenschonenden Aspekten wurde bei diesem SPAR Supermarkt erstmals in Österreich mit speziellen Einrichtungen besonders auf Barrierefreiheit für motorisch und sensorisch eingeschränkte Menschen Rücksicht genommen.

BARRIEREFREIHEIT FÜR ALLE
Für die optimale Umsetzung hat SPAR mit dem gemeinnützigen Verein freiraum europa zusammengearbeitet, der sich für eine selbstständige Lebensführung und Integration aller Menschen starkmacht. Dietmar R. Janoschek, Präsident und Geschäftsführer des Vereins: „SPAR hat einen vorbildlichen barrierefreien Supermarkt gebaut. Jetzt können hier nicht nur Menschen mit Beeinträchtigungen, sondern auch ältere Personen und Mütter mit Kinderwägen problemlos und bequem einkaufen. SPAR ist damit ein echter Vorreiter in Österreich!“ Nachsatz: „Diese Art des Bauens sollte Standard werden! Allein schon deshalb, weil der Anteil der älteren Bevölkerung in Zukunft zunehmen wird.“

AKUSTIK-SIGNAL UND BODENLEITSYSTEM VOR DEM EINGANG
Eine wesentliche Erleichterung für blinde und sehbehinderte Menschen stellt das tastbare Bodenleitsystem im Außenbereich dar. Janoschek, der selbst vor 20 Jahren erblindet ist: „Beim Einkaufen muss ich meist raten, wo der Eingang ist. Ich kann dann entweder entlang der Hausfassade suchen oder darauf hoffen, dass mir ein Passant sagt, in welche Richtung ich gehen muss. Das taktile Bodenleitsystem aber weist mir den Weg zum Eingang, der Weg selbst ist stufen- und schwellenfrei.“ Zusätzlich hilft noch eine Akustikboje in der Eingangszone mit, Betroffene ohne fremde Hilfe über einen Lautsprecher in den Markt zu lotsen. Mit einem Funksender gemäß Ö-Norm V 2103 zur Auslösung von Hilfssignalen für behinderte Menschen kann jeder, der diesen kleinen Sender besitzt, einen Piepton aktivieren, an dem er sich orientieren und den richtigen Weg zum Eingang erkennen kann.

ORIENTIERUNGSPLAN UND INDUKTIONSANLAGE
Im Eingangsbereich zeigt ein taktiler Übersichtsplan genau auf, wie die Regale angeordnet sind und wo welche Produkte stehen. Janoschek: „Dieser Orientierungsplan ist einzigartig in Europa. So können sich alle bestens orientieren im Markt.“ Ebenfalls der Selbstständigkeit von Menschen mit Beeinträchtigungen dienlich sind die extrabreiten Gänge. Denn, so Janoschek: „Ein Rollstuhlfahrer braucht eine Weg- oder Gangbreite von mindestens 150 cm, um umdrehen zu können. Auch eine Mutter mit Kinderwagen braucht Platz beim Einkaufen. Die Induk tionsanlage im Feinkostbereich schließlich sorgt dafür, dass ältere Menschen mit Hörgeräten sowie hörgeschädigte Personen die Verkäuferin besser und deutlicher verstehen können. Die Anlage ist in der Theke integriert, der Kunde kann sie mit einem einfachen Knopfdruck am Hörgerät selbst aktivieren und so störenden Umgebungslärm wegfiltern. Die Folge: Er hört die Verkäuferin quasi „direkt“ im Hörgerät, durch das deutlichere Verstehen kann das oftmalige Nachfragen reduziert werden.

GESCHULTE MITARBEITER HELFEN
Über die technischen Maßnahmen hinaus, die das selbstbestimmte Einkaufen ermöglichen sollen, können Betroffene, die weiterhin nicht auf menschliche Hilfe verzichten wollen oder können, im 800 m² großen SPAR-Markt auf speziell ausgebildetes Personal zurückgreifen. Alle 23 SPAR-Mitarbeiter wurden speziell im Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen geschult, um optimale Unterstützung bieten zu können. Janoschek: „Mit dem Hilfe-Knopf im Eingangsbereich kann man rasch und unkompliziert eine SPAR-Mitarbeiterin zu Hilfe rufen.“ Wie gut das tatsächlich funktioniert, erzählt Verkäuferin Isabella Hochstöger: „Jetzt weiß ich ganz genau, wie man einen Blinden zu führen hat.“ Doch, so die 25-Jährige: „Die meisten Kunden müssen kaum mehr unsere Hilfe in Anspruch nehmen, weil sie aufgrund der technischen Hilfsmittel und der breiten Gänge sehr gut alleine zurechtkommen.“ Auch die gegenseitige Akzeptanz und Integration von Personal, Menschen mit Beeinträchtigung, älteren Kunden und „normaler“ Kundschaft funktioniert bestens. Hochstöger: „Alle sind begeistert vom neuen Markt und kommen gern zu uns einkaufen.“ Nachsatz: „Ich bin sehr stolz, hier arbeiten zu dürfen!“ 

»Es gibt in Österreich keinen einzigen Supermarkt mit einem taktilen Bodenleitsystem. SPAR ist damit ein echter Vorreiter.«
DIETMAR R. JANOSCHEK, FREIRAUM EUROPA